OLDENBURG - Mit dem Mann sollte man sich besser nicht anlegen: Der 39-jährige Shohei Sumi zählt in seiner Altersgruppe zu den besten Kendo-Kämpfern Japans. Sein Können konnte der Ausbilder der Polizei in der japanischen Großstadt Chiba (955 000 Einwohner) an diesem Donnerstag allerdings nicht beweisen. Auf der Wache im Hauptbahnhof informierte er sich bei seinen Oldenburger Kollegen von der Bundespolizei über deren Arbeit.
„Ich möchte mehr über die Eigensicherung und Techniken bei Festnahmen in Deutschland erfahren“, nannte der Gast aus Fernost den Grund für sein Kurzpraktikum. „Wir lernen eine Mischung aus Ju Jutsu, Karate und anderen Kampfsportarten“, erklärte Olaf Otten von der Bundespolizei. Im Idealfall sollte ein Konflikt aber nur mit Worten geklärt werden.
Dies sei auch in Japan das Ziel, erklärt Sumi, der sich in Oldenburg nicht aus dienstlichen Gründen aufhält. Vom japanischen Kendoverband wurde er für drei Monate aufgrund eines Abkommens mit dem Deutschen Kendobund entsandt. Als Bundestrainer soll Sumi das deutsche Nationalteam auf die Europameisterschaft in Polen vorbereiten. Dafür wurde er von seinem Arbeitgeber freigestellt.
Bis zu den ersten größeren Trainingseinheiten Ende des Monats in München wohnt Sumi bei seinem Landsmann Eiji Ohashi in Oldenburg. Der Cellist im Staatsorchesters steht an der Spitze des Vereins für asiatische Kultur und Sport (Seikenjuku) und ist ebenfalls mit dem Schwertkampf vertraut.
Kendo im Kindergarten
Kendo ist eine abgewandelte, moderne Art des ursprünglichen japanischen Schwertkampfes, wie ihn die Samurai erlernten und lebten. Trainiert wird heute mit Schutzausrüstung und Übungsschwert aus Bambus. In Japan ist Kendo Volkssport wie bei uns Fußball. „Erste Erfahrungen sammelte ich schon im Kindergarten“, erzählt Shohei Sumi, der nach seinem Sportstudium die Polizeilaufbahn einschlug.
Bereits im Alter von 35 Jahren legte der Vater zweier Töchter die Prüfung zum 7. Dan ab. Die nächste Stufe und damit den höchsten zu erlangenden Grad kann er frühestens im Alter von 46 erreichen.
Grünkohl statt Sushi
Zwischen dem täglichen Training findet er Zeit, sich in Oldenburg umzuschauen. „Es ist eine schöne Stadt. Alles ist so ordentlich. Es ist hier nicht so eng wie bei uns“, schwärmt der Japaner.
Das hiesige Essen nennt er wegen der aus seiner Sicht großen Portionen gewöhnungsbedürftig. Statt Sushi bekam er von seiner Gastfamilie Grünkohl mit Pinkel serviert. Auch die ersten deutschen Worte gehen ihm problemlos über die Lippen. „Moin“, „Guten Tag“ und „Prost“ hat er zuerst gelernt.
Mit der Polizei wird es nächste Woche ein weiteres Treffen geben. An der Bloherfelder Straße will Shohei Sumi Bereitschaftspolizisten im Stockkampf unterrichten. Möglicherweise setzt er sich – wie in seiner Heimat – nach Dienstschluss mit den Kollegen gemütlich zusammen. Gesucht wird aber noch eine Karaoke-Bar.
