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NWZonline.de Sport

Wenn eine Street-Szene Struktur erhält

27.03.2018

Oldenburg Daniel Tünte rollt die hellbraune Holzrampe herunter und kurbelt mit ein paar Pedalumdrehungen das Tempo hoch. Dann rast er die gegenüberliegende Rampe hoch – und hebt ab. Im Flug lehnt er sich zurück und leitet einen Rückwärtssalto ein. Dann wirbelt er seinen Lenker einmal um 360 Grad herum, und sobald er ihn wieder in den Händen hat, lässt er den hinteren Teil seines BMX einmal um den Lenker kreisen – bevor er in die mit weichen Schaumstoffblöcken gefüllte Grube plumpst. „Backflip-Barspin-to-Tailwhip“ nennt er das.

„Es hat ganz gut geklappt – aber gestanden hätte ich es wohl nicht“, meint Tünte. Der 26-Jährige aus Telgte bei Münster ist Mitglied des deutschen BMX-Olympia-Kaders. Den gibt es erst seit kurzem, denn seine Sportart ist eigentlich noch gar nicht olympisch: Erst vor knapp einem Jahr hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) entschieden, die Disziplin „BMX Freestyle Park“ in das Programm der Sommerspiele 2020 in Tokio aufzunehmen. Am Wochenende besuchte der Kader die neue Skatehalle in Oldenburg, um zu trainieren.

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Halt, nein. „Das Wort ,trainieren’ ist schwierig für uns“, sagt Jens Werner. „Die Kids sind nicht seit Jahren Leistungssportler, die machen das, weil sie Bock drauf haben, ganz selbstbestimmt.“ Der Berliner ist Koordinator für BMX Freestyle im Bund Deutscher Radfahrer (BDR). „So heißt es offiziell“, erklärt Werner. Aber auch die Position ist natürlich ganz neu.

Zwei Kulturen verbinden

Und was macht der Koordinator? „Die Freestyle-Szene und die Verbandsstrukturen, das sind zwei völlig verschiedene Kulturen. Meine Motivation ist, das zusammenzubringen“, erzählt Werner.

Das ist gar nicht so leicht. Die meisten BMX-Fahrer sind nämlich gar nicht in einem Verein. „Einige wissen nicht, was ein Kader ist“, sagt Werner. BMX wird meist draußen gefahren, auf der Straße. Selbstbestimmt eben. BMX fahre man ohne Regeln, wird oft gesagt. Aber auch das ist Quatsch, erklärt Werner: „Es gibt Regeln, aber informelle. Man spricht sich ja ab, wer wann fährt, man achtet auf die Fahrwege, und so weiter.“

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Der Zusammenhalt in der Szene aber ist groß, bestätigt Michael Jantos vom Oldenburger Verein Backyard, dem die Halle gehört. „Wenn einer bei einem Wettkampf einen guten Lauf hat, wird er von den anderen gefeiert“, berichtet er. Und in der Halle beobachtet er auch etwas: „Hier beschäftigen sich Könner mit Anfängern. Das ist auch sehr schön.“

Kriterien entwickeln

In zwei Jahren also treffen sich die BMX-Fahrer bei Olympia – da aber dann nur die Besten. Das sei nicht unkritisch, erklärt Werner: „Es gibt die Angst in der Szene – die natürlich erwachsen ist – ob es dann bei Olympia noch um die Liebe zum Radfahren geht, oder am Ende doch nur um Geld.“

Einblick in die Skatehalle Oldenburg

Dennoch sieht Werner mehr die Möglichkeiten als die Risiken. „Als das IOC sich für BMX entschieden hat, hätte der BDR ja auch sagen können: Da machen wir nicht mit. Aber das hätte ja nichts geändert.“ Aufgabe von Werner ist es jetzt eben, eine Vereinsstruktur aufzubauen, und die Fahrer in Vereine zu holen. Die Alternative dazu wäre, dass sie für – zum Beispiel – einen Brausehersteller fahren, da können sie ja auch in einem Verein fahren, wenn sie da unterstützt werden. Der BDR sei den BMX-Freestylern gegenüber sehr offen und vertraue der Szene und ihm – einem „Querkopf“.

Wie sieht der optimale BMXer aus?

Wie das alles nun laufen soll, in den festen Strukturen, das ist indes noch nicht so ganz klar. Den Kader – fünf Fahrer und zwei Fahrerinnen – hat Tobias Wicke zunächst anhand von Wettkampfergebnissen zusammengestellt. Die tatsächlichen Kaderkriterien, anhand derer jedes Jahr aufs Neue entschieden wird, wer dabei ist, werden gerade erstellt. Und das ist viel Arbeit, sagt Bundestrainer Wicke: „Wir fangen gerade an, herauszufinden: Was ist der optimale BMXer, was braucht er? Ist er groß oder klein, braucht er Ausdauer oder nicht?“

Vieles ist noch offen, vieles auf dem Weg, aber eines steht fest: Es wird sich etwas ändern. „Wir haben das früher nie Training genannt, und jetzt ist es auf einmal doch Training – oder wie soll man das nennen, wenn hier jemand fünf Stunden den gleichen Trick versucht?“

Starke Konkurrenz

Auch bei Daniel Tünte hat sich schon etwas verändert. Er ist eigentlich viel „Street“ gefahren, jetzt ist er mehr auf „Park“ umgestiegen – denn das ist die olympische Disziplin. Und da will er hin.

Zunächst muss sich Deutschland aber dafür qualifizieren. Nur neun Starter und neun Starterinnen dürfen in Tokio fahren, berichtet Tünte. Es gibt eine starke Konkurrenz aus anderen Ländern, deshalb müssen die deutschen Fahrer Punkte bei Weltcups sammeln. „Und das müssen wir zusammen schaffen“, appelliert er an den Teamzusammenhalt.

Auch sein Kader-Kollege Evan Brandes aus Braunschweig hat Olympia im Blick: „Ich hab da Bock drauf“, sagt der 17-Jährige und ergänzt: „Und – ich glaube, da spreche ich für uns alle – wir arbeiten da hart für.“ Klingt doch ziemlich nach Training.


Ein Video des BMX-Teams gibt es unter   www.nwzonline.de/videos 
Video

Mathias Freese Redakteur / Sportredaktion
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