Oldenburg/Bremen - Jaaaa! Jaaaaaa! Man möchte diese ganze Kolumne mit einem einzigen Schrei der Erleichterung ausfüllen: Maximal 500 Zeichen: „J“, 498 mal „a“ und ein Ausrufezeichen. Werder kann es noch! Es war der zweite Spieltag in der Zweiten Liga und fühlte sich trotzdem an wie ein kleines Wunder. Danke, Werder!

Kein Wunder ist natürlich, dass wir beiden Experten vom Worum-Podcast wieder spektakulär danebenlagen.

Da haben wir in der letzten Woche noch die Charakterfrage gestellt und uns sinngemäß darüber ausgelassen, dass diese Mannschaft wohl nie wieder eine Führung halten, einen Rückstand aufholen - geschweige denn: ein Spiel drehen wird.

Wofür machen wir denn diese ganzen fundierten Analysen über die vermeintlichen Einstellungsprobleme von Fußball-Profis, wenn diese Mannschaft es uns am folgenden Wochenende genüsslich unter die Nase reibt, dass sie es einstellungstechnisch eben doch kann?

Dieses - gemessen an den Erfahrungen der letzten Saisons - unfassbare Comeback könnte in der Tat etwas bewegt haben, dass uns eigentlich in den letzten Jahren im Bundesliga-Abstiegskampf komplett abhanden gekommen zu sein schien: trotzige Entschlossenheit!

Die Kolumnisten

„Brille Grün-Weiss“ : So lautet der Titel für die wöchentliche Online-Kolumne der Werder-Fans Jan Siegert und Thomas Kuhlmann. Die beiden Journalisten leiden und leben seit Jahrzehnten mit Werder Bremen, sind im Werder-Forum „Worum“ aktiv. Vor einem Jahr starteten die beiden einen Podcast zu ihrem Lieblingsverein. Nun schreiben sie einmal wöchentlich auch eine Fan-Kolumne für die NWZ – und kritisieren knallhart und gleichzeitig leidend positive wie negative Entwicklungen im Verein.

Nicht auszudenken, was passieren könnte, wenn diese Mannschaft jetzt endlich wieder liefern würde, was sich die Fans erhoffen?

Im Kader sehen wir einige Spieler, die warum auch immer, schon länger unter ihren Möglichkeiten spielen. Man stelle sich mal vor, Maxi Eggestein würde wieder entschlossener den Vorwärtsgang einlegen! In Düsseldorf ist er zum Ende hin vorangegangen und hat den Elfer versenkt. Doppelpack Josh Sargent - ja, das ist wirklich passiert. Und Yuya Osako, der mit Pässen und Drehungen die gegnerische Abwehr zerlegt. Man vergisst oft, was der kann. Aber manchmal kann man ihn auch einfach vergessen.

Klar ist, dass auch gegen Düsseldorf nicht alles Gold war. Und das wird es auch gegen mutmaßlich aufopferungsvoll kämpfende Osnabrücker im Pokal am Samstag nicht sein. Aber es bietet sich mal wieder eine Chance, sich weiter Sicherheit zu holen und Automatismen aufzubauen - eine Art Markus Anfang-Auffrischungsimpfung. Da kommt ein Do-or-Die-Spiel gegen einen Drittligisten gerade richtig. Um die Konzentration zu trainieren, um gegen vermeintlich schwächere Gegner nicht nachzulassen.

Werder-Kolumne „Brille grün-weiß“ Die Fans im Stadion haben es deutlich gesehen: Werders größte Baustelle ist der Kopf

Jan Siegert Thomas Kuhlmann Oldenburg

Wir haben immer davon gesprochen, Werder müsse schnell in der Liga ankommen und verstehen, wie hier Punkte geholt werden. Gegen Düsseldorf war die Reaktion auf den Nackenschlag in der Nachspielzeit beeindruckend. Man könnte den Eindruck bekommen, Werder kommt in der Liga an. Und einige Spieler zeigen, dass sie wirklich zu gut für die Zweite Liga sein könnten. Es gibt nur ein kleines Problem: Keiner weiß, ob die Helden von Düsseldorf morgen noch da sind.

Egal: Feiern wir erstmal diesen herrlichen Sieg! Gute Woche - gutes Spiel!

Euer Worum-Podcast- und NWZ-Kolumnisten-Team Jan und Thomas