OLDENBURG - Der Anstoß zur Partie erfolgt um 15 Uhr. Angeschlagene Spieler werfen Fragezeichen auf.
Von henning Busch
OLDENBURG - Wohl noch nie in der langen Geschichte der Derbys zwischen dem VfL und VfB Oldenburg steckte so viel sportliche Brisanz drin wie an diesem Sonntag, wenn um 15 Uhr im modernisierten Stadion an der Alexanderstraße vor vermutlich knapp 3500 Zuschauern der Anstoß zu einem Niedersachsenliga-Duell der Superlative erfolgt. Der Tabellendritte VfL erwartet den Spitzenreiter VfB, die nach Gegentoren (11) beste Abwehr der Fünften Liga den besten Angriff inklusive des mit Abstand torgefährlichsten Stürmers in Person von Marcel Salomo (22 Saisontreffer). Nicht zuletzt trifft die beste Heimelf – die letzte Heimniederlage des VfL datiert vom 19. Februar 2006 – auf die zweitbeste Auswärtself der Niedersachsenliga. Nicht mehr und nicht weniger.„Das wird ein geiles Fußball-Erlebnis“, schürt VfL-Sportleiter Rainer Bartels die Vorfreude. „Es wird richtig voll werden, die Fußballfans stehen ähnlich wie einst in Donnerschwee ganz eng am Spielfeld und am Nebenmann.“ Auch VfB-Vorstand Jörg Rosenbohm erwartet eine tolle Atmosphäre: „Das wird ein Riesen-Ereignis, die Konstellation ist mehr als perfekt, und ich habe ein gutes Gefühl, dass wir den Abstand auf einen ernsthaften Mitbewerber um den Titel auf fünf Punkte ausbauen können.“
Rückblende: Das Derby der Hinrunde im Marschwegstadion (0:0) vor 3850 Zuschauern verlief zwar sehr spannend, war aber vor allem in der zweiten Halbzeit rein gar nichts für Fußball-Ästheten. Der VfL hatte hinten gegen die Blauen mal wieder kräftig Beton angemischt und auf gefährliche Konter gesetzt, der VfB biss sich an der Defensivtaktik von Claaßen die Zähne aus. Beide Teams neutralisierten sich.
Nun werden die Taktik-Karten neu gemischt. „Wir werden diesmal sehr offensiv an die Sache herangehen und versuchen, die Probleme, die der VfB zuletzt vor allem in der umgestellten Innenverteidigung gezeigt hat, zu unseren Gunsten zu nutzen“, kündigt VfL-Coach Frank Claaßen an. „Er weiß, dass er Schwächen in der Abwehr hat und agiert nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung“, glaubt Zinnbauer in diesem Fall an keinen Bluff seines Gegenübers und will „etwas defensiver als zuletzt“ agieren lassen. „Natürlich wäre ein Sieg das Optimum für uns, weil wir dann den Abstand zu Havelse vergrößern würden. Aber selbst eine Niederlage – wovon ich nicht ausgehe – bei 14 noch ausstehenden Saisonspielen wäre kein Beinbruch.“
Derweil rechnet Zinnbauer fest mit dem Einsatz des derby-erfahrenen Thomas Wegmann (Schleimbeutelentzündung im Knie) im VfL-Tor. Dieser unterzog sich gestern Abend tatsächlich einem Härtetest mit Torwart-Trainer Torsten Huntemann. „Das ist kein Zocken unsererseits“, sagt Claaßen, „sollte Thomas nicht hundertprozentig fit sein, wird Dennis Pollmann spielen – und danach sieht es zurzeit ganz stark aus.“ Fraglich sei auch der Einsatz von Stürmer Christian Claaßen, der sich noch mit den Nachwehen eines Muskelfaserrisses herumplagt, aber wieder im Kader steht. Beim VfB ist laut Zinnbauer der Einsatz von Alexander Eckel (Oberschenkelverhärtung), Sebastian Ghasemi-Nobakht (Bänderriss) David van der Leij (Wadenprobleme) und Jakob Bertram (Muskelfaserriss) fraglich.
Laut Statistik hat der VfB nach dem 2. Weltkrieg kein Derby gegen den VfL verloren. „Wir wollen, dass das so bleibt“, betont Zinnbauer. „Es ist mein erstes Derby auf heimischem Platz als VfL-Trainer – nach zwei Unentschieden soll jetzt endlich ein Sieg rausspringen“, kontert Claaßen. Es ist angerichtet.
