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NWZonline.de Sport

Ist E-Sport eine Chance für Sportvereine?

21.11.2018

Oldenburg Weltweit verfolgten Anfang November rund 205 Millionen Menschen im Internet das Finale der Weltmeisterschaft im beliebten Echtzeitstrategiespiel „League of Legends“: Mit dieser Zahl verblüffte Gero Büsselmann, Vorsitzender des Stadtsportbundes Oldenburg, die mehr als 30 Gäste. Der SSB hatte zusammen mit dem Präventionsrat Oldenburg (PRO) zum Kurzvortrag „E-Sports – das e steht für...?“ mit anschließender Diskussionsrunde eingeladen.

Da der Sport in Fragen der Digitalisierung nicht immer vorweg gehe und man sich informieren wolle, habe man Niklas Timmermann, Vizepräsident des E-Sport-Bundes Deutschland, eingeladen, erklärte Büsselmann. Gemeinsam mit Melanie Blinzler (PRO) und Frank Zechner (AOK) sowie den Zuhörern entwickelte sich eine hitzige Diskussion.

Timmermann, der selbstständiger Unternehmensberater für das Thema ist, erklärte zunächst, wo seiner Meinung nach der Unterschied zwischen E-Sport und Gaming liege. Gaming, das so viel wie „am Computer spielen“ bedeute, würden 35 Millionen Menschen in Deutschland betreiben. Das fange jedoch schon an, wenn einem langweilig sei und man ein Handyspiel zocke. E-Sport sei dagegen ein kompetitives Gaming, also ein Wettkampf-Spiel, bei denen Menschen gegeneinander antreten und bei dem „Waffengleichheit“ herrsche. Dies meine, dass beide Seiten die gleichen Voraussetzungen hätten. Acht Millionen Menschen würden derzeit in Deutschland zum E-Sport-Bereich zählen – rund 70 Prozent davon seien männlich und 30 weiblich.

Infos zum E-Sport

Der E-Sport-Bund Deutschland (ESBD) definiert E-Sport als „unmittelbaren Wettkampf zwischen menschlichen Spieler/innen unter Nutzung von geeigneten Video- und Computerspielen an verschiedenen Geräten und auf digitalen Plattformen unter festgelegten Regeln.“ Zudem soll der Spielerfolg nicht dem Zufall überlassen werden.

Größte Spiele sind laut ESBD derzeit Dota, League of Legends (beide Strategie), Counter-Strike: Global Offensive (Ego-Shooter), StarCraft II (Strategie) und FIFA (Fußballspiel). Die Preise für die Spiele variieren zwischen kostenlos spielbar (League of Legends) und bis zu 80 Euro (Fifa 19). Eine E-Sport-Ausstattung für einen Verein würde dagegen laut Niklas Timmermann für ein Fünf-Spieler-Team (wie bei League of Legends) bei 1500 Euro pro Spieler liegen.

Den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), der sich in einer Arbeitsgruppe mit einer Anerkennung des E-Sports als Sport befasst hatte, und dieser eher ablehnend gegenübersteht, kritisierte Timmermann scharf: „Der DOSB hat keine Ahnung!“ Insbesondere die Einführung des Begriffes E-Gaming, was soviel heißen würde wie „Elektronisches vor dem Computer spielen“, ergebe keinen Sinn und zeige die Unwissenheit.

Wenn Sportvereine sich dem E-Sport öffnen und Abteilungen gründen würden, könnten sie auch wieder Mitglieder anziehen, meinte Timmermann. Als Beispiel führte er den TSV Oftersheim (Baden-Württemberg) an, der als Amateursportverein eine E-Sport-Abteilung gegründet und innerhalb eines Jahres 200 Mitglieder gewonnen habe. Ziel des E-Sport-Verbandes sei es, Vereinen zur Seite zu stehen und sie beim Aufbau von Abteilungen und Strukturen zu unterstützen.

Kritik kam aus dem Plenum von Manfred Knigge, Vorsitzender des Turnkreises Oldenburg-Stadt: „Ich habe im Fernsehen nur Kampfspiele gesehen“, sagte er. Ein Sport müsse ethische Werte vertreten. Die Anerkennung des E-Sports habe zudem eher wirtschaftliche und finanzielle Interessen, bemängelte er. Außerdem sei das viele Zocken vor dem Computer gesundheitlich schädlich. Sport solle genau das Gegenteil bewirken und zu mehr Bewegung anregen.

Bisher habe man mit dem DOSB nicht über eine Anerkennung gesprochen, merkte Timmermann an, sondern stehe nur im Austausch. Es gehe darum, dass Amateurvereine finanziell zurecht kämen, insbesondere in der Abgabenordnung. Zum Verständnis, ob E-Sport Sport sei, merkte er an, dass es 500 Millionen Menschen auf der Welt so sehen würden. Vielleicht habe sich bei denen der Begriff des Sports gewandelt.

Timmermann, der Welt- und Europameister in der Rennsportsimulation „Need for Speed“ war, betonte zudem, dass ein Ausgleichssport zum Gaming wichtig sei – das habe er selbst gemerkt. Im Profi-Bereich sei dies fest implementiert: „E-Sportler sind erst beim Sport und dann beim E-Sport-Training.“ Mehrere Stunden auf der Bühne vor Tausenden von Menschen zu sitzen und zu spielen, würde schnell ermatten. Da sei eine körperliche Fitness wichtig, um auch im Game konzentriert zu bleiben. Wer viel sitze, müsse sich auch bewegen. Das sei aber kein für den E-Sport spezifisches Problem.

Ulrich Pohland, Vorstandsmitglied beim SSB, sieht die Diskussion eher als Chance für Vereine, wieder Zugriff auf junge Menschen zu bekommen: „Unser Sport hat mit Bewegung zu tun.“ Also könne man in den Vereinen Ausgleichssport zum Zocken anbieten. Pohland betonte: „Junge Leute müssen das organisieren, nicht nur alte.“

Auch wenn sie Gewalt ablehne und es für fraglich halte, ob E-Sport Kinder wirklich in die Vereine ziehe, stehe sie der Diskussion offen gegenüber, sagte Blinzler: „Wir müssen darum ringen.“ Man könne nicht sagen, die einen haben recht und die anderen nicht. Die Gesellschaft verändere sich. Früher habe es auch Dinge gegeben, die kein Sport waren und es heute sind.

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Renke Hemken-Wulf Volontär, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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