OLDENBURG - Als der Aluminium-Campingstuhl von Trainer Joe Zinnbauer am Spielfeldrand aufschlug, zerbrachen auch alle Siegeshoffnungen des VfB Oldenburg. Stocksauer schleuderte der 37-Jährige in der 53. Minute sein Sitzmöbel zwei Meter durch die Luft und fluchte so laut, dass es noch auf der Tribüne des mit 1867 Zuschauern besetzen Marschwegstadions zu hören war.
Was war passiert? Wie aus heiterem Himmel erzielte der TuS Heeslingen gegen die bis dahin haushoch überlegenen Oldenburger das entscheidende 1:0-Siegtor. Vorausgegangen war ein krasser Abwehrfehler von Christian Thölking. Er verlor unmittelbar vor dem eigenen Strafraum den Ball bei einem Pressschlag gegen den Heeslinger Marcel Gebers. Dieser passte auf den dazwischensprintenden Sead Kucevic, der eiskalt vollendete.
Das darf einem so erfahrenen Spieler nicht passieren, schimpfte Zinnbauer über den bald 27-jährigen Routinier: Den Ball muss er wegschlagen. Er darf sich nicht auf einen Zweikampf einlassen. Nach dieser Szene wurde es eisig: Umgehend signalisierte der Trainer dem Pechvogel, dass er ausgewechselt wird. Als Thölking den Rasen verließ, würdigten sich beide keines Blickes. Es kam Mehmet Koc.
Verteidigt wurde Thölking von seinem Teamkollegen Stanley Tailor. Es war ein Pressschlag. Der Ball ist unglücklich abgeprallt, meinte der Niederländer. Genauso gut könnte man Torwart Rene Damerow vorwerfen, er hätte den Ball halten müssen.
Bis dahin hatten die Oldenburger die Heeslinger klar im Griff gehabt. Mit viel Tempo, ausgezeichnetem Flügelspiel und guter Raumaufteilung präsentierte sich der VfB nach den zuletzt eher schwachen Vorstellungen gegen Osnabrück II (0:4) und Lurup (3:1) diesmal stark verbessert. Nur ein Tor wollte den Gastgebern gegen die eng stehende und auf Konter lauernde TuS-Abwehr nicht gelingen. Immer wieder blieben die Oldenburger Stürmer in der Viererkette hängen.
Nach dem Rückstand riss der Faden allerdings. Kopflos rannten die Oldenburger auf das Heeslinger Tor zu. Keine Spur von Souveränität, die einen Tabellenzweiten eigentlich auszeichnen müsste. Die Folge: Fehlpässe en masse.
Anstatt Ruhe hineinzubringen, steigerte der wild umherspringende und Kommandos brüllende Zinnbauer die Nervosität noch. Der Trainer ließ schließlich mit sechs Stürmern agieren. Was sollst du machen?, begründete er: Du musst es doch mit der Brechstange versuchen.
Bestnoten verdiente sich diesmal das Oldenburger Publikum. Die Fans feuerten die Mannschaft bis zur letzten Sekunde mit lauten Sprechchören an. Ihnen muss man ein Kompliment machen, bedankte sich VfB-Kapitän Matthias Plump.
