OLDENBURG - Die Uhr war am Ende das wichtigste Utensil. Als Schiedsrichter Lennard Dornieden (Osnabrück) am Sonntag im Oldenburger Marschweg-Stadion das letzte Mal auf die seinige schaute und in seine Pfeife blies, hatte der BV Cloppenburg das Derby beim Erzrivalen VfB Oldenburg mit 3:2 (3:1) gewonnen (siehe Berichte auf Seite 13).

Damit setzten sich die Cloppenburger bereits zum dritten Mal in Folge an der Hunte durch. In der Tabelle schoben sie sich an den Oldenburgern vorbei vom fünften auf den dritten Rang vor.

Wer von den 1901 Zuschauern auch nur eine Minute zu spät gekommen war, hatte den ersten Akt einer frechen und cleveren BVC-Vorstellung verpasst. Ganze 46 Sekunden waren absolviert, als Paul Kosenkow eine klasse Linksflanke Robert Römers mit dem Kopf ins Dreieck beförderte. Drei Oldenburger hatten mit gebührendem Abstand um ihn herumgestanden.

In der Folge trauten die Oldenburger Anhänger ihren Augen nicht. Gegen entschlossen zupackende Cloppenburger fabrizierten sie ausschließlich Fehlpässe und Stockfehler. Als Kosenkow seinen Hattrick perfekt gemacht hatte (14., 34.), schien das Derby – ohne, dass es auf dem Platz richtig zur Sache gegangen wäre – entschieden.

Doch ausgerechnet eine zu kurze Rückgabe von BVC-Kapitän Christian Willen, die Tim Schwarz zum 1:3 nutzte (42.), brachte die Oldenburger ins Spiel zurück. „Wenn das Ding nicht passiert, brennt nichts mehr an. Wahrscheinlich gewinnen wir dann sogar mit 4:0 oder 5:0“, ärgerte sich BVC-Coach Jörg-Uwe Klütz über emotionsgeladene zweite 45 Minuten.

Oldenburg kam auf, erst recht als Stefan Conrad nach einem „Allerweltsfoul“ die Ampelkarte sah (73.). „Der Schiri hätte besser meine Spieler schützen sollen“, spielte Klütz auf die Attacken gegen Kosenkow an. Als Didier Webessie zum 2:3 traf (81.), war der BVC-Dreier wieder in höchster Gefahr, zumal der entscheidende Konter nicht gefahren wurde. Mit Glück und Geschick brachte der BVC den Dreier aber ins Ziel. „Das war verdammt wichtig. Der Sieg muss uns einen richtigen Schub bringen. Hätten wir nach der 3:0-Führung nicht gewonnen, wäre das fatal gewesen“, atmete Klütz nach dem nunmehr als gelungen zu bezeichnenden Saisonstart tief durch.

Am Mittwoch (19 Uhr) darf der BVC im Freundschaftsspiel gegen Borussia Dortmund vor heimischer Kulisse zeigen, was er kann. „Wir haben in Oldenburg viel Kraft gelassen. Ich werde alle Spieler einsetzen. Das ist ein tolles Ereignis für unsere Jungs“, freut sich Klütz auf das Duell mit dem Euro-League-Teilnehmer. In der Liga geht es am Sonntag mit der Heimpartie gegen Hildesheim weiter. Dann kann sich der BVC endgültig oben festsetzen.

0:1, 0:2, 0:3 Kosenkow (1., 14., 34.), 1:3 Schwarz (42.), 2:3 Webessie (81.).

Tilling (2,0) - Conrad (3,0), Willen (3,5), Huisman de Jong (3,0), Leo Baal (2,5) - Westerveld (2,0), Greve (2,5), Alexander Baal (3,0, 39. Wangler 3,0), Römer (3,0) - Krohne (4,0, 84. Assinouko), Kosenkow (1,5, 90+1 Niemeyer).

5:7.

6:0.

Paul Kosenkow – der BVC-Stürmer schockte die Oldenburger mit seinem Hattrick. Nie zu stoppen. Behielt, obwohl häufig unfair gestoppt, zudem die Nerven.

Den Schock des 0:1 steckten die Oldenburger im ersten Durchgang nicht mehr weg. Der BVC nutzte das eiskalt und machte aus vier Chancen drei Treffer. Wohl nur, weil Christian Willen patzte und Tim Schwarz kurz vor der Pause zum 1:3 einlud, sahen die Zuschauer nach der Pause ein echtes Derby. Am Ende wurde es in Unterzahl eine erfolgreiche Abwehrschlacht. Insgesamt ein verdienter BVC-Sieg.

Lennard Dornieden (Osnabrück) – begann gut, verlor aber immer mehr den Faden.