OLDENBURG - OLDENBURG - HA-SO-Pudding machte vor gut 50 Jahren Kinder und Jugendliche doppelt froh: wegen der Leckerei „für die feine Zunge“ – und wegen der Fußball-Sammelbilder in jeder Packung. HA-SO-Pudding gibt es längst nicht mehr, wohl aber den Spieler von Sammelbild Nummer 16: Hannes Morgner.
81 Jahre alt ist Morgner heute. 29 war er zur Zeit jenes Fotos, das ihn als Stürmer von Holstein Kiel vor 20 000 Zuschauern an der Bremer Brücke beim Angriff aufs Osnabrücker Tor festgehalten hat. Von 1948 bis 1954 in Kiel und dann bis 1957 beim VfB Oldenburg jeweils in der höchsten deutschen Spielklasse waren die großen Jahre in der Karriere des Stürmers. Ein Kreuzbandriss beendete die Laufbahn des vielfachen Auswahlspielers.
Seinen ersten Spielerpass von der SpVg Falkenstein nahe Plauen im Vogtland bewahrt Morgner heute noch auf. Neun Jahre war er damals, 18, als er in den Krieg geschickt wurde, 22, als er danach in Dachau spielte. Dort gab es als Prämien Lebensmittel. Damit hielt er seine Eltern in der damaligen Ostzone über Wasser.
Der Weg zum professionelleren Fußball begann 1948. Morgner besuchte das Freundschaftsspiel Bayern München gegen Holstein Kiel. In Kiel spielte ein Jugendfreund – und der überredete Morgner zum Wechsel nach Kiel. In dieser deutschen Spitzenmannschaft wurde der Vogtländer zum Auswahlspieler. Da es damals nur wenige Länderspiele gab, standen Repräsentativspiele hoch im Kurs. 50 000 Zuschauer wie beim Duell Nord gegen Südwest in Hamburg waren keine Seltenheit. Morgner stand mit dem späteren Weltmeister Jupp Posipal im Nord-Team. „Beim Südwesten spielten die Brüder Walter, Liebrich, Eckel, Kohlmeyer und andere“, erinnert sich Morgner.
Erich Hänel aus Bremen, der spätere Oldenburger Trainer, lotste ihn nach einem Auswahllehrgang 1954 nach Oldenburg. Der VfB lockte mit einer Arbeitsstelle bei der Stadt, „bei den vielen Arbeitslosen ein echtes Pfund, denn das Wirtschaftswunder griff ja noch nicht.“ Und das monatliche Vertragsspieler-Salär einschließlich Prämien zwischen 200 und 320 Mark, „brutto, bitte, aber trotzdem viel Geld“, war eine Verlockung. Im Hafenamt und im Verkehrsamt arbeitete Morgner bis zum Ruhestand.
Bis 60 hat er beim VfB in unteren Mannschaften gespielt. Viele der alten Oldenburger Größen von Heinz Hofmann über Manfred Hoffmann, Erdmann, Kempf, Frohmüller oder Scholz leben nicht mehr. „Sportbesessen“ nennt Morgner sich heute noch, aber seit der Aufgabe von Donnerschwee sieht er VfB-Spiele nur unregelmäßig. „Am Marschweg bin ich nicht nur räumlich von der heutigen Mannschaft entfernter“, sagt er. Nur dem FC Bayern drückt er stets die Daumen: „Das ist doch unsere einzige Mannschaft, die international wirklich mithalten kann.“
