Oldenburg - Während zum Beispiel im Fußball oft ein einfacher Blick reicht, um zu erkennen, wie die Situation im Abstiegskampf aussieht, läuft es im American Football etwas anders. Dass bei Punktgleichheit als nächstes der direkte Vergleich zählt, macht es komplizierter. Für die Oldenburg Knights wird es im Kampf um den GFL2-Verbleib besonders diffizil, da die Teams in der in zwei Gruppen eingeteilten Nord-Staffel unterschiedlich viele Spiele gegeneinander bestritten haben. Vor dem Saisonfinale am Samstag ist aber eins klar: Für ein zweites Jahr in der zweithöchsten deutschen Liga müssen die Ritter die Langenfeld Longhorns (16 Uhr, Marschwegstadion) besiegen. Oder doch nicht?
Die Lage
Nachdem sie vor gut zwei Wochen ihr Heimspiel gegen Rostock 17:48 verloren haben, stehen die Knights als Vorletzter (4:14 Punkte/7. Rang) auf einem der beiden Abstiegsplätze. Schlusslicht Münster Blackhawks (2:16/8.) schaffte es jetzt am vergangenen Samstag in Lübeck (knappes 42:49) nicht, seine Situation zu verbessern. Hätten die Solingen Paladins (4:14/6.) eine Woche zuvor gegen die inzwischen als Meister und Aufsteiger feststehenden Hildesheim Invaders (28:56-Niederlage) gewonnen, wäre der Abstiegskampf bereits entschieden. Die Ritter hätten zwar noch nach Punkten mit Solingen gleichziehen können, doch das einzige direkte Duell ging auswärts 10:27 verloren.
Das Finale
Jetzt ist aber noch für alle drei Teams der Klassenerhalt drin. Ganz aus eigener Kraft kann nur Solingen es mit einem Sieg schaffen. Sollten die Knights gewinnen und die Paladins nahezu parallel (Kickoff: 17 Uhr) auch das zweite Saisonduell mit Münster verlieren, wären die Oldenburger der lachende Drittletzte. Wenn die Ritter verlieren und Münster nach dem 12:7 im Hin- auch das Rückspiel gewinnt, wären die drei Abstiegskandidaten insgesamt punktgleich (alle 4:16). Durch den direkten Vergleich hätten die Blackhawks (hier 4:2 Zähler) trotz des 7:9 im einzigen Duell mit den Knights vor Oldenburg (2:2) und Solingen (2:4) den Klassenerhalt sicher.
Die Chance
Klar ist, dass die Ritter nicht Letzter werden. Als Tabellensiebter bliebe noch die Hoffnung, am „Grünen Tisch“ die Klasse zu halten. Da die Cologne Crocodiles zu Saisonbeginn ihr Team aus der GFL zurückgezogen haben, gibt es in dieser Saison in der Regionalliga keine Aufstiegsrelegation. Die Meister aus Nord-, West- und Ost-Staffel steigen direkt auf – wenn sie denn wollen. Will ein Team nicht hoch, dürften die Ritter als Vorletzter in der GFL2 bleiben. Das ist derzeit aber noch nicht abzusehen.
Die Befürchtung
Nichts nützen würde den Knights ein Aufstiegsverzicht der drei Meisterteams aber, wenn die Crocodiles ihren Neubeginn in der GFL2 angehen dürfen. „Laut Regelwerk muss ein Team, das seine Mannschaft aus der GFL zurückgezogen hat, einen Neustart in der Regionalliga, auf eigenen Wunsch auch tiefer, machen – so auch die Crocodiles“, sagt Knights-Geschäftsführer Holger Völling, hat aber Zweifel, dass es so kommen wird. Der Vorjahreshalbfinalist aus Köln (German-Bowl-Sieger 2000 und mehrmals Finalist) hat mittlerweile wieder einen großen Teil seines GFL-Kaders zusammen, trainiert schon längst und dürfte die Regionalliga West mächtig aufmischen. „Schon in der Vergangenheit hat man Mannschaften ohne sportliche Qualifikation hochgesetzt, weil sie spielerisch zu stark für die Klasse waren“, weiß Völling und befürchtet dies auch im Fall der Kölner: „Der Verband in Nordrhein-Westfalen ist sehr stark und weiß sich für seine Mitgliedsvereine einzusetzen.“
