OLDENBURG - Zech liebäugelt nun mit dem Medoc-Marathon. Zu diesem Lauf gehören 24 Weinverkostungen.
Von Jörg Reckemeier
OLDENBURG - „Wer etwas erreichen will, läuft eine Meile, wer etwas erleben will, läuft Marathon.“ Das hat der legendäre Langstreckenläufer Emil Zatopek einmal gesagt. Heutzutage kann der Erlebniswert nach Belieben gesteigert werden. Der Uralmarathon wird bei 30 Grad Kälte gestartet, als Kontrastprogramm kann ein Lauf bei sengender Hitze durch das Death Valley (USA) absolviert werden. Der Fantasiereichtum hat noch längst kein Ende erreicht. Andererseits steht ein „Dino“, nämlich der New-York-Marathon, ganz oben auf der Skala des Erlebniswertes.Und genau den Lauf hatte Arno Zech vom TuS Eversten im vergangenen Jahr, gewissermaßen als „Geburtstagsgeschenk“, erfolgreich absolviert – die NWZ berichtete. Eigentlich wollte er es mit Läufen dieser Schwierigkeitsgrade bewenden lassen, doch kurze Zeit vorher war er schon auf das Angebot eines deutschen Reiseveranstalters aufmerksam geworden: Marathonlauf auf der Chinesischen Mauer! „Ich war Feuer und Flamme, der Lauf hat mich als neue Herausforderung sofort angesprochen.“ Ende August 2006 war es dann soweit: Zusammen mit seiner Frau ging es zunächst nach München, von dort im Direktflug nach Peking. „An Bord befanden sich Läuferinnen und Läufer u.a. aus den USA, Kroatien, Österreich, Italien, Tschechien und Deutschland, insgesamt nahmen 86 Personen die Reise in Angriff“, berichtet Zech.
Bei 28 Grad Wärme, 90 Prozent Luftfeuchtigkeit, Smog und Dunst wurden die Starter auf die Strecke geschickt. Zur Auswahl standen die 10 km, der Halbmarathon sowie der Marathon. Zech hatte sich schon früh für den Lauf über 21,1 km entschieden. „Das war, wie sich schnell zeigte, die richtige Entscheidung, denn an das sonst gewohnte Laufen war überhaupt nicht zu denken. Auf der Pendelstrecke in Form eines Ypsilons galt es Treppen zu erklimmen, Wasserablaufrinnen zu überspringen, in Luken der Wehrtürme abzutauchen, über Eisenleitern wieder nach oben zu klettern und auf brüchige, zerborstene Stufen zu achten. Dazu kam noch das ständige Auf und Ab auf der der Landschaft angepassten Mauer. Entspannt laufen konnte man hier und da vielleicht mal 50 Meter.“
Insgesamt hat Zech bei seinem Unternehmen, das er in ca. vier Stunden beendete, 9168 Treppenstufen bewältigen und eine Höhendifferenz von knapp 800 m überwinden müssen. Die Laufzeit spielte für ihn keine Rolle: „Ich bin oft stehen geblieben, habe die Landschaft genossen und Fotos gemacht.“ Trotz der vorbildlichen Unterstützung durch den Veranstalter und den Service mit vielen Erfrischungsstellen sei die Aussteigerrate relativ hoch gewesen. „Mancher hatte doch wohl die Anforderungen unterschätzt.“ Er selbst hatte sich mit gelegentlichen Treppenläufen beim normalen Training in Oldenburg so gut es ging auf die zu erwartenden Belastungen vorbereitet. Eindrucksvoll war die im Zielbereich stattfindende Siegerehrung. Der Lohn für jeden, der seine Distanz absolviert hatte: Ein Pokal und ein Zertifikat, unterschrieben und abgestempelt vom
Chinesischen Innenministerium.
Wie schon gesagt, dem Einfallsreichtum der Marathonveranstalter sind kaum Grenzen gesetzt. Für das nächste Jahr liebäugelt Zech mit der Teilnahme am Medoc-Marathon im französischen Weinanbaugebiet Pauillac. Die 22. Auflage des Laufes hatte in diesem Jahr einen Zuspruch von 8600 Läufern, die überwiegend in fantasievollen Verkleidungen starten. Die gelaufenen Zeiten sind hier Nebensache, berühmt geworden ist der Lauf durch seine mittlerweile 24 (!) Weinverkostungen entlang der Distanz. Ein Service, der insbesondere von den Franzosen gern angenommen wird. „Als jemand, der gelegentlich auch einmal ein Glas Wein trinkt, werde ich es allerdings bei meinen üblichen Erfrischungen belassen“, blickt der 71-Jährige schon mal voraus. Im September 2007 ist es dann soweit.
