Oldenburg - Kitesurfer verbringen viel Zeit auf dem Wasser und haben dabei keinen Körperkontakt zu anderen Menschen – da liegt der Verdacht nahe, die Corona-Einschränkungen könnten in der Saison 2020 an den Wassersportlern vorbei gehen.
Der Oldenburger Kitesurfer Jannis Maus, sonst weltweit auf Regatten unterwegs, widerspricht dem vehement. „Zu Beginn der Corona-Krise habe ich noch in Hooksiel trainiert“, berichtet der 24-Jährige über sein Übungsrevier im Kreis Friesland: „Dann wurde dort aber der Strand geschlossen. In den Monaten April und Mai habe ich komplett ausgesetzt.“
Viele Rennen ausgefallen
Inzwischen ist der Betrieb in der internationalen Kitesurf-Szene zwar wieder angelaufen und auch das Training in Hooksiel ist wieder möglich. Das Regatta-Programm ist aber im Vergleich zu früheren Jahren ein abgespecktes, auch die deutsche Masters-Serie mit Veranstaltungen auf Sylt, Usedom und in St.-Peter-Ording fiel in diesem Jahr aus. So sind die Reisewege für Maus, der neben dem Kitesurfen den Master-Studiengang „Erneuerbare Energien“ an der Universität Oldenburg absolviert, kürzere als sonst. Anstatt in anderen Erdteilen ist er in Mitteleuropa unterwegs. So fungierte der Oldenburger in der Nähe von Rotterdam beim niederländischen Nationalteam als Technik-Trainer, im August nahm er dann vor der polnischen Ostseeküste in der Danziger Bucht an der Individual-EM teil. In knapp drei Wochen steht die Team-EM an. Die Wettbewerbe werden auf dem Traunsee in Österreich ausgetragen.
Wechsel auf Binnensee
„Mit meiner Platzierung in Polen bin ich zufrieden. Ich habe das Halbfinale erreicht und bin Elfter der Gesamtwertung geworden“, berichtet Maus, dem nun aber eine für die Branche große Umstellung bevorsteht: „Ich muss mich intensiv auf die Team-EM vorbereiten. Denn die wird nicht auf dem Meer, sondern auf einem Binnensee ausgetragen. Dort herrschen ganz andere Bedingungen.“
Jannis Maus ist in der Kitesurf-Disziplin „Racing“ aktiv. Sein Board ist mit einem sogenannten Hydrofoil ausgestattet, eine Tragflächen-Konstruktion an der Unterseite des Boards. Sie bewirkt, dass sich das Board, sobald der Kiter von seinem Drachen (das englische „Kite“ bedeutet „Drachen“ oder auch „Surfdrachen“) gezogen wird, aus dem Wasser hebt.
An den Start geht Maus am Traunsee (die EM findet vom 18. bis 20. September statt) an der Seite der Münchnerin Alina Kornelli. Der Modus ist einfach: Ein Mitglied des Zweierteams fährt nach einem Massenstart gleichzeitig mit Vertretern anderer Zweierteams auf einer festgelegten Strecke. Wird die Wechselzone erreicht, darf das andere Teammitglied starten – eine Staffel, allerdings ohne die physische Übergabe eines Staffelstabes. Das zweite Teammitglied absolviert nun ebenfalls im direkten Duell mit der Konkurrenz die festgelegte Route. Wer zuerst ins Ziel kommt, hat gewonnen. „Nach diesem Modus soll auch bei den Olympischen Spielen 2024 gefahren werden, wenn Kiten erstmals dabei ist“, sagt Maus, der natürlich von einer Teilnahme träumt: „Die Spiele finden in Paris statt, die Wassersport-Wettbewerbe vor Marseille – da möchte ich hin.“
