OLDENBURG - Plötzlich ging es ganz schnell: Ein Gespräch mit dem Dozenten, eins mit dem Arbeitgeber, Reisepass und Impfungen organisieren, Flugticket kaufen, und schon war Alina Atzler in Malawi. Dort bringt sie seit dem 11. November im ländlichen „Pegasus Vaulting Club“ zehn Kindern das Voltigieren bei.
Die Studentin belegte 2007 den dritten Platz bei der NWZ -Wahl zur Sportlerin des Jahres. Im selben Jahr las sie davon, dass in Afrika Trainer gesucht werden. Die Idee verfolgte sie, bis sie sich dazu entschied, das Projekt mit dem Studium zu verbinden. Für die 24-Jährige steht die Diplomarbeit der Sozialwissenschaften vor der Tür: „Ich schreibe über das Potenzial von Sport im Entwicklungsprozess von Entwicklungsländern mit dem Schwerpunkt Voltigieren.“
Erste kulturelle Erkenntnisse hat sie jetzt in Afrika gesammelt: „Die malawischen Frauen zeigen ihre Beine nicht. Es ist für die Mädchen eine Überwindung, die enge Sportkleidung zu tragen“, so Atzler. Darüber hinaus ist es keine Selbstverständlichkeit, dass die Kinder pünktlich zum Training kommen: „Sie haben keine Uhren, um den Tag zu planen.“ Wenn sie bei der Ernte mithelfen müssen, kommen sie gar nicht. In Südafrika setzte sich der Sport zuerst durch. Heute gibt es in sieben afrikanischen Ländern Voltigierer. „Der Leistungsstand ist mit unserem nicht zu vergleichen, hier steckt alles in den Kinderschuhen“, so Atzler.
Die Leiterin des Projekts, Karen McGowan, versucht, gezielt Kinder aus armen Familien der Umgebung anzusprechen. Deren Schulklassen bestehen aus 150 Kindern, und ihr Alltag kennt zumeist nur Arbeit. „Durch den Sport vergessen die Kinder ihre Sorgen“, sagt Alina Atzler, „gerade bei den Mädchen wird das Selbstbewusstsein gestärkt. Ich bin überzeugt, dass sie so ihre sozialen Kompetenzen erweitern.“
Zehn Kinder im Alter von fünf bis 14 Jahren trainieren auf der Plantage. Wettkämpfe gibt es in dem Land nicht, weshalb die Kinder Vorführungen einstudieren, um ihr Können Gästen zu zeigen. Mit Hilfe von Sponsoren ist es aber gelungen, ihnen die Teilnahme an der afrikanischen Voltigiermeisterschaft in Südafrika zu ermöglichen.
Das Voltigierprojekt trägt bereits Früchte: „Das Resultat der Reise war, dass die Kinder eine Welt abseits der Feldarbeit kennengelernt haben und nun ein Ziel haben. Sie wissen, dass sie dafür die Schule abschließen müssen“, so Atzler.
Mehr Informationen unter www.vaulting-for-malawi.jimdo.com
