OLDENBURG - Der Ball ist hart wie eine Kugel und fliegt häufig mit Wucht durch die Luft. Die Oldenburger Mannschaft nennt sich auch noch „Hellions“, was übersetzt so etwas wie Satansbraten bedeutet. Was bitte ist daran soft? Angst vor den Frauen in den blauen Trikots muss jedoch niemand haben, beruhigt Myriam Ballin: „Wir sind ja nicht böse, aber wir haben viel Biss“, sagt die Mitgründerin des ersten Oldenburger Softball Teams.
Wie so viele Spielerinnen kam sie über ihr Baseball-Interesse zum Softball – einer Variante der amerikanischen Nationalsportart, die von 1996 bis 2008 olympisch war und überwiegend von Frauen gespielt wird. Das Prinzip ist gleich, wobei das Feld beim Softball kleiner, der Ball dagegen größer ist. Angeblich kann er dadurch nicht so hart geschlagen werden. „Aber ich habe immer noch einen blauen Fleck am Oberschenkel, von einem Treffer beim Saisonstart im Frühjahr“, erzählt Ballin.
Die „Hellions“ treten seit drei Jahren in der Landesliga an. Auf dem Sportplatz an der Brandenburger Straße tragen sie ihre Heimspiele aus, dieses Mal sind die Löningen Tigers zu Gast. Helme und Schläger liegen am Spielfeldrand griffbereit. Doch erst schwören sich die Frauen im Kreis auf ihre Gegnerinnen ein. „Ich will euch hören“, brüllt Ballin in die Runde, ihre Mitspielerinnen antworten in gleicher Lautstärke. Nach dem Ritual betreten die neun Spielerinnen das Feld und nehmen die Verteidigungsposition ein. Der Gast greift zuerst an. In einem Abschnitt, einem so genannten Inning, wechseln Defensive und Offensive jeweils einmal, wobei nur die Angreiferinnen punkten können.
„Entscheidend beim Softball ist das Duell Pitcher gegen Batter“, erklärt Rolf Schwaiger, ein Baseball-Spieler und Coach, der die Hellions seit ihrer Gründung trainiert. Der Werfer (Pitcher) der Defensive versucht, den Ball so zu platzieren, dass ihn der jeweilige Schlagmann (Batter) der Offensive nur schwer treffen kann. Denn ein guter Schlag ist die Voraussetzung für einen erfolgreichen Run, bei dem die Angreiferinnen über die einzelnen Stationen, den „Bases“, das Spielfeld umrunden, um die Ausgangsposition wieder zu erreichen. Jede Spielerin, die das schafft, bringt ihrer Mannschaft einen Punkt. Wer gestellt wird, ist „out“, und bei drei „Outs“ einer Mannschaft wechselt das Angriffsrecht. Sieger ist das Team, das nach fünf Durchgängen mehr Punkte erzielt hat.
„Irgendwann kapiere ich die Regeln vielleicht mal“, sinniert ein Zuschauer am Spielfeldrand, denn die Feinheiten beim Softball sind nicht leicht zu erkennen. Doch es gibt auch spektakuläre Szenen: Ein „Hellion“ rettet sich mit großem Körpereinsatz ins Ziel und holt unter lautem Applaus einen Punkt.
Ohnehin läuft es für den Tabellendritten gut gegen Schlusslicht Löningen. Nach fünf Innings steht es 17:8 – die Hellions haben gewonnen. Es folgt eine halbe Stunde Pause in entspannter Atmosphäre, ehe das Rückspiel beginnt. Mit dem nötigen Biss soll es gegen die Tiger auch ein zweites Mal klappen.
