OLDENBURG - Über 100 Länderspiele hat Gerdes schon gesehen. In letzter Zeit aber macht er sich rar in der Sportszene.

Von Heinz Arndt

OLDENBURG - Er ist einer dieser Fans, ohne den die deutsche Fußball-Nationalmannschaft kaum denkbar ist. Über 100 Länderspiele im In- und Ausland hat der Oldenburger Hayo Gerdes seit 1960 besucht. Und immer noch pflegt der heute 66-Jährige Kontakte zur Fußball-Prominenz. So war der „Experte" erst jüngst u.a. mit seinem Freund Hartmut Bäumer bei der „WM-Show" der ARD zu Gast, traf dort die ehemaligen Nationalspieler Günther Netzer und Sepp Maier wieder. Und bald will sogar eine WM-Show in Oldenburg auf die Beine stellen.

Hayo Gerdes begeistert sich seit frühester Jugend für Fußball. Er spielte selbst bei Eintracht Oldenburg, hier war er auch Betreuer und Manager. Nach 1960 besuchte er mit anderen Oldenburgern – wie u.a. dem mittlerweile verstorbenen Dieter Teebken, mit Max Brieger und Herbert Bodemann – Länderspiele der deutschen Elf. Schnell bekam er Kontakt zu Spielern, den Bundestrainern und DFB-Offiziellen. Und die durften über Geschenke wie Aale, Schinken und Mettwürste aus dem Ammerland freuen. Das öffnete Gerdes so manche Tür.

Auf diese Weise lernte er sogar den legendären Bundestrainer Sepp Herberger kennen. Dessen Nachfolger Helmut Schön verpasste ihm spaßeshalber die Bezeichnung „die Nervensäge aus Oldenburg". Auch zu dessen Nachfolger Jupp Derwall pflegte er enge Kontakte.

So mancher Nationalspieler – u.a. Horst-Dieter Höttges, Jupp Heynckes, Dieter Burdenski und Uwe Seeler – besuchte Gerdes in Oldenburg. Ganz enge Kontakte pflegte Gerdes zu dem inzwischen verstorbenen DFB-Trainer Herbert Widmayer, in dessen Haus in Köln-Frechen er den Fußboden fachgerecht verlegte. Auch DFB-Masseur Erich Deuser (ebenfalls bereits verstorben) zählte zu seinem Freundeskreis.

Die Bekanntheit in der Szene nutzte Gerdes aus: Mit einigen Mitstreitern organisierte er später zahlreiche Prominentenspiele für wohltätige Zwecke in Oldenburg. So u.a. 1982 mit Uwe Seeler, Helmut Rahn und Horst Szymaniak. Zwei Jahre später gelang es ihm sogar, Franz Beckenbauer, Wolfgang Overath und Günter Netzer nach Oldenburg zu holen.

In den vergangenen Jahren ist es um Hayo Gerdes ruhig geworden. Seine Arbeit als Fußbodenverleger ließ ihn nicht mehr viel Zeit für große Fußball-Ausflüge, und auch die Begeisterung für die deutsche Nationalmannschaft hat bei ihm merklich nachgelassen. Um so größer war die Freude, als er bei der ARD- „WM-Show“ alte Fußball-Größen wiedertraf. Auch war er jüngst in Bremen vor dem Gastspiel des FC Bayern bei Werder im Hotel der Münchner zu Gast. Hier traf er u.a. Bayern-Manager Ulli Hoeneß wieder.

Schon zuvor waren Hayo Gerdes und Hartmut Bäumer auf die Idee gekommen, im Vorfeld der in Deutschland stattfindenden Fußball-Weltmeisterschaft eine WM-Show für einen wohltätigen Zweck zu veranstalten. „Wir sind derzeit dabei die Finanzierung abzusichern. Gelingt dies, steigt die Show demnächst“, erzählt er. Im Rahmen dieser Show wird er auch von seinen Erlebnissen mit den Fußball-Größen berichten. Das könnte dauern...