OLDENBURG - So ganz standfest ist der kleine Junge noch nicht. Wenn sein Gegenüber seinem Schlagpolster, der so-genannten Pratze, einen Fußtritt verpasst, schwankt er bedenklich. Aller Anfang ist schwer.
Kinder ab sechs Jahren dürfen beim Taekwondo-Training beim Budokan Bümmerstede mitmachen. „Da ist die Disziplin schon so weit, dass es geht“, sagen die Trainer Julia Arnold und Rene Rückert. Die beiden Jugendlichen unterstützen Übungsleiter Simon Müller tatkräftig. Die 18-Jährige und der 17-Jährige nehmen auch selbst an Turnieren und Prüfungen teil.
Klare Ansagen
Müller, der seit 1996 aktiv ist und im vergangenen Jahr die Prüfung zum ersten von neun Dans (Prüfungsgrad) bestand, motiviert seine Schüler, schaut aber auch sehr genau auf Fehler. Seine klaren Ansagen werden sofort umgesetzt. Einem Schützling rät er: „Du musst näher ran an den Körper. Dein Gegner darf nach deinem Tritt nicht zum Konter kommen können.“ Beim vierten Versuch schafft er es.
Respekt und Disziplin gehören zu den elementaren Eigenschaften eines Kämpfers. „Das entsteht überwiegend durch das Zuhören. Ganz wichtig ist außerdem, dass die Kinder ihre Fehler selber erkennen“, urteilt der 27-Jährige.
Müller konnte gerade laufen, als einer der größten Fußballer aller Zeiten, Diego Maradona, Bekanntschaft mit dem koreanischen Kampfsport machte. Bei der WM 1986 wurde Maradona von einem südkoreanischen Gegenspieler brutal gefoult. Später stichelte der heute 50-Jährige: „Er hat nicht Fußball gespielt, sondern Taekwondo praktiziert.“
Was auf dem Fußballplatz nichts zu suchen hat, ist auf der Matte eine Sportart, die durch ihre Schnelligkeit und Dynamik besticht. „Innerhalb von Sekundenbruchteilen muss man sich auf komplett neue Situationen einstellen und schnell umdenken können“, sagt Müller. Angriff und Verteidigung liegen beim Taekwondo nah beieinander.
Vielseitiges Training
„Tae“ steht für die Fuß-, „kwon“ für die Handtechnik, „do“ bezeichnet den Willen, Körper und Geist zu vereinen. Keine asiatische Sportart kommt scheinbar ohne philosophische Verknüpfung aus – auch nicht Taekwondo. Trotzdem kommt neben aller Ernsthaftigkeit die Lockerheit beim Budokan Bümmerstede nicht zu kurz. Dafür sorgen Müller und seine Gehilfen.
Der elfjährige Björn betreibt den Sport seit 2006. „Mir gefällt, dass wir so viele verschiedene Sachen machen.“ Neben den kampfspezifischen Übungen bauen die Trainer auch immer wieder Trainingselemente abseits des Taekwondo ein.
Im April reisen die Bümmersteder Taekwondoka zu einer großen Gürtelprüfung. Für Björn, Schüler an der IGS Kreyenbrück, hat sich nach ersten Erfolgen bei Verbandsturnieren der Fleiß bereits ausgezahlt. Aber mit elf will man ja noch hoch hinaus.
