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NWZonline.de Sport

Sport-Clubs kämpfen um Aufmerksamkeit

31.08.2019

Oldenburg Sport hat in der Gesellschaft eine höhere Bedeutung denn je. Das verdeutlichen bereits die Zahlen, die Prof. Dr. Dirk Loerwald und Dr. Michael Koch vom Institut für Ökonomische Bildung (IÖB) zu Beginn der Talk-Runde „Schneller, höher reicher – Wahrer Sportsgeist vs Sport als Ware?!“ am Donnerstag in Oldenburg vorstellten: 11 Millionen Menschen sind in Deutschland in einem Fitness-Center angemeldet, die Studios generieren Milliardenumsätze.

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Noch eine Zahl: In der vergangenen Saison haben die deutschen Fußball-Clubs der ersten und zweiten Bundesliga etwa 20 Millionen Eintrittskarten verkauft. Und: So ziemlich jeder Deutsche wisse noch ganz genau, wo er den Abend des 13. Juli 2014 verbracht habe – als die deutsche Nationalmannschaft in Brasilien den WM-Titel holte.

Mit der erhöhten Bedeutung geht für die Sportclubs auch die Chance des Geldverdienens einher – wobei diese fast schon zum Zwang wird, will man das sportliche Level halten, auf dem man sich bewegt. In dem Kampf um Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit, die die Attraktivität für Fans wie Sponsoren erhöht, sowie der Suche nach Nischen und neuen Märkten kennen sich die Diskutanten Klaus Filbry (Vorsitzender der Geschäftsführung von Werder Bremen), Hermann Schüller (geschäftsführender Gesellschafter der EWE Baskets Oldenburg) und Andreas Lampe (Co-Trainer der Bundesliga-Handballerinnen des VfL Oldenburg) sowie NWZ-Sportchef Hauke Richters bestens aus und gaben deshalb bei der Veranstaltung im Rahmen der Reihe „1x1 der Wirtschaft“, die vom vom IÖB und dem Verein „Wigy –Wirtschaft verstehen“ in Kooperation mit der NWZ organisiert wurde, einige Einblicke.

„90 Prozent dreht sich um Fußball“

Auch bei der öffentlichen Aufmerksamkeit gebe es eine Schieflage, leitete Dr. Michael Koch ein: Der Fußball dominiert. „Gefühlt 90 Prozent der Sportschau und des Sportstudios dreht sich um Fußball“, sagte der Moderator. Dahinter ringen Basketball und Handball mit anderen Sportarten um Fernsehzeit und Aufmerksamkeit. Klaus Filbry – als Vertreter des Fußballs in der Runde – kritisierte diesen Umstand. „Die Öffentlich-Rechtlichen haben einen Auftrag, ich finde, dass dort auch mehr Handball und Basketball gezeigt werden sollte.“

In der Praxis haben es diese Sportarten aber schwer, mitzuhalten. „Vor allem internationale Erfolge auf Vereinsebene bringen uns Öffentlichkeit“, sagte Hermann Schüller, der dem deutschen Basketball-Meister Bayern München als „Zugpferd“ deshalb auch dankbar ist. Eine weitere Chance sei die an diesem Wochenende beginnende Basketball-WM, bei der das deutsche Nationalteam allerdings ohne Spieler aus Oldenburg und Vechta antritt. Helfen würden auch die sieben deutschen Spieler in der besten Liga der Welt, der nordamerikanischen Profiliga NBA. „Das ist toll – auch wenn es schade ist, dass sie in der NBA spielen und nicht in der Bundesliga“, ergänzte Schüller.

Spitzen-Basketball gibt’s da, wo kein Profi-Fußball ist

An der Landkarte der Basketball-Bundesliga ist indes sehr gut zu erkennen, dass Deutschland ein Fußball-Land ist. Darauf wies Hauke Richters hin: „Neben den Millionenstädten Berlin und München sind dort fast nur Städte vertreten, in denen es keinen Profifußball gibt. Im Handball genauso.“ Grund dafür ist, dass es jeder Club einer anderen Sportart schwer hat, Sponsoren zu finden, wenn ein namhafter Fußballverein in der Nähe ist.

Andreas Lampe bestätigt das, auch wenn sein VfL-Team einen anderen Pluspunkt mitbringt: „Wir haben den Vorteil, dass wir in der Frauenbundesliga spielen. Würden wir das mit Männern machen, wäre es schwerer. So müssen wir uns die Zielgruppe weniger teilen.“ Er betonte allerdings auch, dass keine Spielerin des VfL Vollprofi sei, denn dafür würde das Gehalt nicht reichen. „Die Mädels studieren oder arbeiten alle – und haben natürlich trotzdem jeden Tag Training. Sie müssen allerdings nicht kellnern, sondern haben ihr Hobby als Nebenjob. Da kann man nicht von leben, geschweige denn die Altersvorsorge sichern. Es sind einfach schöne zehn bis zwölf Jahre.“

Kein Hand- und Basketball in Fußballstadt Bremen

Filbry indes ist ganz zufrieden damit, dass Bremen durch Werder eine Fußballstadt ist und sich Oldenburg deshalb in andere Richtungen orientiert. „Ich finde es gut, dass es in Oldenburg Basketball und Handball gibt. Fußball gibt’s in Bremen“, sagte Filbry und ergänzte: „Ich bin auch nicht dafür, dass es in Bremen Profi-Basketball und -Handball gibt.“

Die Werder Bremen GmbH setzt inzwischen jedoch nicht mehr nur auf Fußball (der Stammverein ist ohnehin ein Mehrspartenverein mit Abteilungen in Handball, Leichtathletik, Tischtennis und anderen Sportarten). Seit gut einem Jahr investiert der Club auch in E-Sports. „Das ist ein unglaublich wachsender und boomender Markt“, bekräftigt Filbry: „Und es gibt uns die Chance, mit jungen Menschen ins Gespräch zu kommen.“ Man habe bei Werder überlegt, ob das zum Verein passe. Ergebnis: Strategiespiele passen nicht, elektronische Fußballsimulationen aber schon. Und bei der Verpflichtung der Spieler hatte Werder ein glückliches Händchen: Mohammed „MoAuba“ Harkous ist jüngst Weltmeister geworden. „Die WM hat enorm viel Aufmerksamkeit bekommen“, berichtet Filbry.

Clubs setzen auf E-Sport

Auch die EWE Baskets setzen auf E-Sport, die Oldenburger haben eine Abteilung mit der Basketball-Simulation „NBA2k“ eröffnet. „Wir setzen damit auf Kreativität und nehmen auch etwas Aggressivität beim Zuschauer raus“, sagte Schüller. Schließlich könne bei diesem Spiel jeder Zuschauer auch zu Hause an der eigenen Konsole versuchen, es besser zu machen. Auch die Baskets haben mit diesem Zweig „neue Leute erschlossen“ – Schüller hofft jedoch, dass das eine „Brücke zum richtigen Sport“ darstellen könne.

Was aktiv betriebener Mannschaftssport dem Konsolenspiel womöglich voraus hat, betonten Lampe und Schüller im letzten Themenblock der Veranstaltung. Hier ging es um die sozialen und regionalen Faktoren der Sportvereine. „Sport ist wichtig für die Erziehung. Wir müssen den Kindern Werte mitgeben“, stellte Lampe fest. In einer Mannschaft habe man zum Beispiel einfach Verantwortung gegenüber den anderen Teammitgliedern.

Mit Sport Werte vermitteln

Das bestätigt Schüller: „Im Basketball müssen fünf Leute verteidigen und fünf angreifen. Sonst fällt alles in sich zusammen.“ Deshalb achten die Baskets bei der Verpflichtung neuer Spieler immer auch auf den Charakter, betont Schüller: „Wenn man einen Nörgler dabei hat, reißt der andere mit runter und es gibt negative Stimmung.“ Der Baskets-Geschäftsführer glaubt, dass man Werte wie Vertrauen, Respekt, Disziplin, Mut und auch Leidenschaft trainieren kann. Genau da wollen die Baskets mit ihrem sozialen Projekt „Baskets 4 Life“ ansetzen und Kindern und Jugendlichen – hiesigen wie aus anderen Ländern zugezogenen – mithilfe von Basketball gemeinsame Werte vermitteln.

Mathias Freese Redakteur / Sportredaktion
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