Oldenburg - Zwei bekannte Gesichter verlassen den Oldenburger TeV. Tillmann Erdbories, der zwölf Jahre für den Verein spielte, wechselt zum Club zur Vahr (CzV) nach Bremen. Jonas König, gebürtiger Saarländer und seit mehr als fünf Jahren für den OTeV aktiv, legt wegen seines Referendariats in diesem Sommer zumindest eine Tennispause ein.

Ihm bereite es „gar keine Bauchschmerzen“, dass Erdbories ausgerechnet zum Regionalliga-Rivalen von der Weser zieht, sagt Trainer Daniel Greulich. Finanziell habe der OTeV noch nie mit dem CzV mithalten können. „Neben dem Finanziellen ist der Unterschied aber diesmal die Trainingssituation“, erklärt Greulich. Das könne er nachvollziehen, sagt der Coach: „Tillmann bekommt dort eine 1:1-Betreuung.“

Ranglisten-Frust

Tillmann Erdbories will weiter an einer Karriere im internationalen Tennisgeschehen feilen. Nach einer großen Reform der Weltrangliste hat er aktuell aber kaum eine Chance auf Startplätze bei Turnieren. Auf der Liste der Profispielervereinigung ATP ist er nicht geführt. Im Ranking der International Tennis Federation (ITF) steht er auf Rang 1527. Zum Vergleich: OTeV-Spitzenkraft Stefan Seifert ist 337. der nachrangigen ITF-Liste. Für welche Weltrangliste Spieler Punkte bekommen, hängt von der Turnierkategorie ab. Es sei „sehr frustrierend“ in kein Turnier hineinzukommen“, sagte Erdbories kürzlich. Und wenn, dann muss er wieder mühsam durch die Qualifikationen der mit 15 000 US-Dollar dotierten Veranstaltungen. Den nächsten Versuch dafür startet er nun beim Club zur Vahr.

Heißt im Klartext: Mit CzV-Trainer Lars Graubohm kann sich Erdbories individuell und intensiver auf die Profitour vorbereiten. Folglich spielt er auch für den Oldenburger Konkurrenten. Anfang Mai kommt es in der Sommersaison zum direkten Duell.

„Ich war es leid immer und überall nur Trainingspartner zu sein und auf der Suche nach einem Trainingsumfeld mit individueller Betreuung“, erklärt Erdbories selbst. „Vahr ermöglicht mir solch eine Betreuung mit einem Trainer, bei dem ich mich wohlfühle bei weniger oder keinen Trainingskosten – das war das Entscheidende“, ergänzt er.

„Persönlich bin ich mit Tillmann total einverstanden“, sagt Greulich. Der 21-Jährige könne jederzeit zurückkehren. Personell darben muss der OTeV ohnehin nicht. Greulich kann nämlich die Verpflichtung von Florian Barth bekannt geben. Dieser war erst vor wenigen Wochen mit dem Suchsdorfer SV zu Gast am Johann-Justus-Weg gewesen – und hatte beim Duell der beiden Regionalligisten den einzigen Punkt für die Schleswig-Holsteiner geholt.

In Kiel war der in Hamburg lebende 30-Jährige absoluter Publikumsliebling, verlässlich an den mittleren Positionen. Dort dürfte er als aktueller 172. der deutschen Rangliste auch für den OTeV zum Einsatz kommen. Er habe nicht die geringste Ahnung, wie es gelungen sei, Barth nach Oldenburg zu lotsen, sagt Greulich mit einem Augenzwinkern. Seinen Zugang beschreibt er als „Fighter mit starkem Charakter. Linkshänder mit gutem Volleyspiel.“ Barth sei „jemand, den man gern auf dem Platz einfach erlebt“.

Der Neuling ist dann beim OTeV neben Stefan Seifert, Mattis Wetzel, Kapitän Michel Dornbusch und Alexander Meyer die fünfte deutsche Stammkraft.