Oldenburg - Deutschland statt USA, Cuxland statt Kalifornien, Tennis-Oberliga statt Auslands-Studium: Statt passiv aus rund 9000 Kilometern Distanz den Teamkollegen die Daumen zu drücken, startet Marlon Wilken etwa 90 Kilometer entfernt von Oldenburg an diesem Samstag um 14 Uhr aktiv bei SW Cuxhaven mit der zweiten Mannschaft des OTeV aus der Sommerpause.

 „Eigentlich wollte ich im August wieder zurück an die Uni, aber die Situation ist mir derzeit noch viel zu unsicher“, sagt er mit Blick auf die Entwicklung der Corona-Krise in den USA. „Deshalb gehe ich erst im Januar zurück und studiere ein Semester hier“, erklärt der 19-Jährige, der im Winter an der Concordia University in Irvine ein Business-Administration-Studium begonnen und für die Concordia Eagles Tennis gespielt hat.

Sportlich war er recht erfolgreich. In elf Einzeln ging der Rasteder nur einmal als Verlierer vom Platz und gab lediglich vier Sätze ab. Von seinen zwölf Doppeln gewann er acht und trug so insgesamt sehr zur Bilanz von 10:2 Siegen seines Teams bei. „Das lief ziemlich gut. Landesweit lagen wir an Position zwölf in der Division II“, sagt Wilken.

OTeV-Reserve plant Revanche

Lars Blancke
Oldenburg

 „Das erste Semester war leider nach drei Monaten wieder beendet, da der Campus geschlossen wurde“, erzählt Wilken, der vier Jahre für das US-Studium eingeplant hatte. Die rund 60 Kilometer südöstlich von Los Angeles unweit der Pazifik-Küste gelegene 260 000-Einwohner-Stadt Irvine ist für ihre High Schools und Universitäten bekannt.

Als Vierjähriger begann der Ammerländer beim SVE Wiefelstede mit dem Tennis. Sein Vater spielt schon fast sein ganzes Leben, bis vor zwei Jahren war er noch mit dem M-50-Team in der Regionalliga aktiv. Nur wenige Jahre lang lief der kleine Marlon parallel auch noch dem runden Leder hinterher bevor er sich bereits als E-Jugendlicher dazu entschloss sich auf einen Sport zu konzentrieren.

In Oldenburg trainiert er nun wieder bei Daniel Greulich, der ihn vor rund neun Jahren zum OTeV geholt hatte. „Ich trainiere jetzt viermal die Woche – was natürlich nicht ganz das Pensum ist, was ich in Irvine absolviere“, berichtet der 19-Jährige. In Kalifornien, wo er ein Vollstipendium genießt und auf dem Campus lebt wie trainiert, waren es fünfmal pro Woche nachmittags zwei Stunden auf dem Hardcourt. Hinzu kamen drei Workout- und Konditionseinheiten – nicht selten früh um 7 Uhr.  Während der Saison wird zudem zweimal pro Woche gespielt. „Das ist schon was anderes als hier in Oldenburg“, sagt Wilken.

Statt San Diego oder Santa Barbara steht für Wilken mit dem OTeV II nun aber Cuxhaven auf dem Tennis-Fahrplan. An der Küste will er mithelfen, nach bislang 4:2 Punkten den dritten Saisonsieg einzufahren: „Wir fühlen uns alle ganz gut. Zwar fahren wir nicht als Favorit hin – aber wir sind auch nicht chancenlos.“

So läuft die Saison

Die Sommer-Saison 2020 findet aufgrund der Corona-Krise unter etwas anderen Rahmenbedingungen statt. In den Ligen des Tennisverbandes Niedersachsen-Bremen (TNB) gibt’s keinen Ab- und eigentlich auch keinen Aufstieg. Nur wenn im Sommer 2021 ein Staffelplatz in der höheren Liga frei ist und die geografischen Umstände passen, ist ein Aufstieg möglich. In der Regionalliga soll es einen Aufsteiger in die 2. Bundesliga geben.

Alle Teams hatten vorab die Chance, sich aus dem aktuellen Betrieb zurückzuziehen. Die Mannschaften, die von dieser Möglichkeit frühzeitig Gebrauch gemacht haben, dürfen 2021 in der gleichen Spielklasse antreten.

Zuschauer sind jetzt zugelassen, wenn die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden.

Jan-Karsten zur Brügge
Jan-Karsten zur Brügge Sportredaktion