OLDENBURG - Noch heute ist Wolfgard „Wölfi“ Voß in der Oldenburger Sportszene ein fester Begriff. War sie doch die erste und bis heute einzige Oldenburger Turnerin, die an Olympischen Spielen teilgenommen hat – 1952 in Helsinki. An diesem Freitag vollendet sie ihr 85. Lebensjahr.

Auch in diesem hohem Alter ist die bedeutendste Turnerin des Oldenburger TB und der Stadt noch sportlich aktiv. Neben der täglichen häuslichen Gymnastikstunde leitet sie regelmäßig einen Stuhlgymnastik-Kurs für Ältere im Kulturzentrum PFL.

Im Jahre 1952 gehörte Voß bei den Olympischen Spielen im finnischen Helsinki der deutschen Riege für die Gruppen-Gymnastik und den Achtkampf an. Diese errang hinter den großen Turnnationen einen bemerkenswerten vierten und fünften Platz. „Zum Gewinn der Bronzemedaille fehlten lediglich zwei Zehntelpunkte“, erinnert sie sich.

Typisch für Voß, macht sie um diese Erfolge kein großes Aufsehen. „Mit unseren damaligen Leistungen waren wir gegenüber heute gerade einmal Kreisklasse“, kommentiert sie. Wobei sie noch heute überaus aufmerksam das turnerische Geschehen im OTB und darüber hinaus verfolgt. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass in ihrer Familie – sie hat drei Söhne und eine Tochter sowie sechs Enkelkinder – das Turnen sehr groß geschrieben wird.

Voß war erstaunlicherweise nie Deutsche Meisterin, galt jedoch als die deutsche „Traumfrau“ im damaligen Gruppenturnen. „Ich war nirgends absolute Spitze, aber ich hatte auch keine Durchhänger“, erinnert sie sich. Dies fand auch beim Deutschen Turner-Bund (DTB) höchste Anerkennung. So startete sie nicht nur bei den Olympischen Spielen, sondern nahm auch 1953 an einer sechswöchigen Schautournee durch Japan teil und erturnte sich 1954 bei der WM in Rom einen siebten Platz.

All dies sind Momente, auf die Voß noch heute gerne zurückblickt. Das gilt im Übrigen auch für ihre Aufbauarbeit, die die so erfolgreiche Turnerin des OTB im VfL leistete. Zusammen mit dem damaligen VfL-Vorsitzenden Hans Lübken gründete sie einst die Turnabteilung in diesem Verein und war als Übungsleiterin fortan fast täglich von 15 bis 22 Uhr in der Turnhalle anzutreffen. „Bis zu 120 Kinder an solch einem Nachmittag in der Halle waren durchaus keine Seltenheit“, blickt sie zurück.

Darüber hinaus hat sie noch so manche besondere Anekdote von damals parat, wie etwa den Umgang mit dem Stufenbarren. „Wir waren damals Pioniere an diesem Gerät. Wenn wir daran turnten, mussten vier Mädchen den Stufenbarren festhalten, ansonsten wäre er umgekippt“, erzählt sie. Auch in ihrer langjährigen Tätigkeit als Turnlehrerin hat Voß viel erlebt. „Da habe ich schon so manchen Oldenburgerinnen und Oldenburgern, die noch heute bekannt sind, die ersten Schritte im Turnen vermittelt“, freut sie sich.

Von 1952 an war sie Sportlehrerin an der Cäcilienschule und ab 1967 am damaligen Graf-Anton-Günther-Gymnasium. Schon damals bemühte sie sich mit verschiedenen Aktivitäten darum, ihre Schüler für den Sport zu interessieren und an die Sportvereine heran zu führen. Ein Aspekt, der auch aktuell im Schul- und Vereinssport eine wichtige Rolle spielt.

Voß war aber nicht nur im Turnen aktiv. Ebenso feierte sie Erfolge im Hockey, Tennis, Volleyball und in der Leichtathletik. Abseits des Sporttreibens zählen interessante Reisen im In- und Ausland zu ihren Hobbys.