OLDENBURG - Oldenburg war gleichwertig. Zum Schluss spielte das Team in doppelter Unterzahl.
Von Jan-Peter Plate
OLDENBURG - Übermäßig viel Glück kann man den Zweitliga-Handballerinnen des VfL Oldenburg II momentan nicht zuschreiben – immerhin sparte Gastgeber SC Greven 09 nach dem 29:28 (16:15)-Sieg gegen den Tabellenletzten nicht mit Lob. „Man sieht überhaupt nicht, dass Oldenburg so weit unten drin steht“, sagte die ehemalige VfLerin Indra Wefer, die sich im Tor Applaus verdiente. Und Trainer Peter Mersch setzte noch einen drauf: „Oldenburg war gleichwertig, wenn nicht besser. Das war reines Glück heute.“Das Glück des neuen Spitzenreiters wurde erst in den letzten fünf Minuten zum Unglück des Schlusslichts. Drei mehr oder minder kleinere Schubser führten zu nach der Partie kritisch kommentierten Zeitstrafen gegen Jacqueline Reinhold, Thalke Bitter und Sarah Everding. In doppelter Unterzahl konnte der VfL II gegen konzentrierte Gegner nichts mehr ausrichten. Zuvor hatte das Schmidt-Team das von 441 zahlenden Zuschauern lautstark unterstützte Greven mit einer offensiven 4+2-Deckung verwirrt und einen Drei-Tore-Rückstand in ein 27:27 verwandelt.
Aufmerksam in der Abwehr und konzentriert im Angriff begann der VfL II die gutklassige Partie. Fehler leisteten sich zunächst die Gastgeberinnen, Oldenburg dominierte mit starken Würfen und schlauen Pässen Alexandra Temps an den Kreis, führte 6:3 (9.) und 8:5 (11.).
Erst dann zeigten die Oldenburgerinnen auch Schwächen, lagen erstmals 9:10 hinten (20.). Vorne nahm die Gefahr aus der zweiten Reihe ab, auf die Anspiele zu Kreisläuferin Wiebke Kethorn stellte sich die SC-Deckung mehr und mehr ein. Sechs Strafwürfe holte die starke Kethorn trotzdem heraus.
„Heute war mehr möglich“, sagte die 21-Jährige ganz richtig. Viereinhalb Minuten vor Schluss hatte sie nach klugem Pass von Sabine Göttke die Führung auf der Hand. Unhaltbar für Wefer – nach einer Viertelstunde für Ex-VfLerin Katrin Thiele (die dritte ehemalige Oldenburgerin Nico Scholl traf viermal) im Spiel – sprang der Ball von der Unterkante der Latte auf die Linie. Von einem weiteren Treffer hätte sich das in dieser Phase konzeptlose Greven wohl kaum erholt, doch bereits im Gegenzug kassierte Reinhold zwei Minuten.
Zwar fehlen dem VfL II die Punkte, er darf aber auf eine weitere Leistungssteigerung blicken – vorne wie hinten. Erstaunlich für ein Team, das noch an Weihnachten mit dem Rücken zur Wand stand. Der Kommentar von Heike Schmidt fiel diesmal kurz aus: „Vor dieser Leistung verneige ich mich.“
