OLDENBURG/WESERMARSCH - „Ich will ins Endspiel, ich will unbedingt ins Endspiel", hatte Lukas Stüdemann beim sonntäglichen Frühstück noch gesagt. Der 19-Jährige erreichte am Tag zuvor überraschend das Halbfinale bei den Sommerbezirksmeisterschaften der Erwachsenen erreicht in Oldenburg. Der Knoten scheint endlich geplatzt zu sein beim Nachwuchsspieler des TK Nordenham: Auch im Halbfinale siegte er gegen den favorisierten Barnstorfer Ulf Stradtmann. Dass das Finale bei den Herren C klar verloren ging, war am Ende halb so wild – Lukas Stüdemann war die Überraschung.

Stüdemann war einer von vier Nordenhamern, der den Einzug ins Endspiel schaffte. In allen drei Herrenkonkurrenzen kamen TKN-Spieler bis in den Schlussakt des Turniers, bei den Damen A triumphierte mit Yvonne Hübler eine weitere Spielerin, die beim hiesigen Tennisklub trainiert und für den TV Visbek aufschlägt. Sie holte sich ebenso den Titel wie Mark Fitschen bei den Herren B. Niklas Brandes komplettierte mit seinem zweiten Platz den Gesamterfolg, der den TKN zum ersten Mal ganz oben im Medaillenspiegel stehen lässt. Selbst der Veranstalter und Topfavorit Oldenburger TeV holte weniger vordere Plätze.

Mit seiner Leistung im Finale war der 16-jährige Brandes allerdings nicht zufrieden: „Meine Vorhand kam so gut wie gar nicht. Ich musste viel Slice spielen, womit ich Michel nicht gefährden konnte." Der Topgesetzte Wilhelmshavener Michel Dornbusch behielt so mit 6:2 und 7:6 (7:4) die Oberhand. Überraschungen gab es in diesem Feld so gut wie keine: Alle vier Gesetzten erreichten das Halbfinale. Die zwei weiteren Starter aus der Wesermarsch agierten eher unglücklich: Christopher Brandau (Oldenburger TeV) blieb beim 3:6, 1:6 gegen Marco Schlicker (TC GW Barnstorf) chancenlos, und auch TKN-Akteur Steffen Trumpf schied in Runde eins aus: Gegen Lokalmatador Christian Cremers wehrte er im ersten Satz acht Satzbälle ab, glich einen 1:4, 0:40-Rückstand aus – am Ende unterlag Trumpf mit 6:7 (6:8), 3:6. „Ich bin es nicht gewohnt, jeden Punkt machen zu müssen“, gab der 20-Jährige zu, nachdem er gegen den sehr defensiv eingestellten Cremers verloren hatte.

Das Fazit von Mark Fitschen war ein völlig anderes: „Ich habe heute fast jeden Ball auf die Linie gesetzt, das war mir schon fast peinlich. Putzen muss man die Außenlinien jetzt nicht mehr – das habe ich erledigt.“ Nach einem klaren 6:1, 6:1 gegen Fabian Wesselmann (Galgenmoor) ließ er sich nur von Sebastian Siebels aus der Fassung bringen: „Man kann halt nur so gut spielen, wie der Gegner es zulässt. Hauptsache eine Runde weiter", meinte der 29-Jährige nach dem 7:6, 6:4-Erfolg. Nach einer Aufgabe seines Halbfinalegegners Julian Arciszewski stand dem Drittgesetzten wie bei den letzten beiden Meisterschaften Torben Reints (OTeV) gegenüber. Fitschen rief sein bestes Tennis ab und setzte sich nach dem Sieg bei den Herren C im Winter nun auch eine Leistungsklasse höher im Bezirk durch.

Lukas Stüdemann kam erst schleppend ins Turnier – gegen Michael Calame (Delmenhorster TC) lag er zweimal mit 3:5 zurück, am Ende siegte er 7:5, 7:5. Den an Position drei gesetzten Jan-Erik Isermann vom Tennisinternat in Hannover entschärfte Stüdemann mit einem sicheren 6:4, 6:3 und stand erstmals im Halbfinale einer Bezirksmeisterschaft. „Mit jedem Schlag kam ich besser ins Turnier“, offenbarte der Zivildienstleistende. Auch das Semifinale gegen Ulf Stradtmann machte keine Probleme. „Das ist eine Riesenüberraschung, die gar nicht hoch genug gewertet werden kann", freute sich TKN-Coach Christopher Brandau. Im Finale wurde Stüdemann von Andreas Thole (Oldenburger TB) gestoppt. „Da war die Konzentration ein wenig raus“, mutmaßte TKN-Vereinstrainer Jens Kuhle, der seine Teamkollegen am Finalsonntag unterstützte.

Kuhle konnte sich wenig später über Yvonne Hübler freuen. Die 15-Jährige entschied erstmals die Damen A-Konkurrenz für sich. Im „vorgezogenen Endspiel“, wie es Yvonnes Vater Rolf formulierte, stand sie im Halbfinale der Topgesetzten Franziska Sprinkmeyer (TV Sparta Nordhorn) gegenüber. Eigentlich ist Sprinkmeyer für ihr aggressives Grundlinientennis bekannt. Gegen Hübler machte sie nur zwei direkte Punkte. Das Endspiel gegen Katharina Stahnke (TC BW Delmenhorst) war für die gebürtige Blexerin kein Problem mehr. Mit 6:3 und 6:0 wurde sie zur Königin des Tennisbezirks. „Besser hätte das Wochenende für uns nicht laufen können", jubelte Trainer Brandau nach dem Vierfacherfolg.