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Coronavirus Wie die Krise ihre Karriere im Tennis bedroht

Oldenburg/Wiefelstede - Keine Bundesliga, kein Geld, keine Turniere? Während es aufgrund der Coronavirus-Pandemie nicht sehr wahrscheinlich ist, dass in absehbarer Zeit wieder ein normaler Tennis-Spielbetrieb auf verschiedenen Ebenen stattfinden kann, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Krise Profi-Spielerin Vivian Heisen aus Wiefelstede in einen Teufelskreis schleudert. Das die diesjährige Spielzeit in der Frauen-Bundesliga bereits komplett gestrichen wurde, steckt die 26-Jährige in einer sportlich wie finanziell schwierigen Lage.

„Ziemliche Katastrophe“

„Dass die Bundesliga abgesagt wurde, ist für mich – nett gesagt – eine ziemliche Katastrophe“, sagt Heisen mit Blick darauf, dass sie bei den Auftritten in der Eliteliga ab Mai das Geld verdient hätte, mit dem sie die Reisen zu Turnieren finanziert, „wo ich ja nie weiß, ob ich draufzahle oder mit Gewinn rausgehe“.

Für ihren Heimatclub SVE Wiefelstede hat sie im Winter gespielt und mit der ersten Frauenmannschaft in der Oberliga Platz zwei belegt. Grundlage der starken Profi-Saison 2019, bei der sie im Rahmen der Turnierreisen in alle Welt speziell im Doppel einige Siege auf ITF-Ebene feierte, waren ihre erneuten Auftritte im Sommer für Blau-Weiss Berlin in der 2. Bundesliga Nord gewesen. Mit einer 4:2-Einzel- und einer 5:1-Doppelbilanz trug Heisen dazu bei, dass der Club aus Berlin-Grunewald in der Nordstaffel mit 10:2 Punkten ebenfalls als Zweiter nur dem Marienburger SC aus Köln (12:0) den Vortritt lassen musste.

In diesem Jahr wollte die 26-Jährige, die gerade mit Platz drei bei der Wahl der Oldenburger Sportlerin des Jahres 2019 belohnt wurde, in Diensten des TC Bredeney in der 1. Bundesliga durchstarten. Beim Stadtteil-Club aus Essen stand sie wie die Saarländerin Katharina Hobgarski, mit der sie in Darmstadt, Wien und London drei ihrer fünf Doppel-Triumphe im vergangenen Jahr gefeiert hat, auf der Meldeliste. An den Positionen eins und drei waren hier die deutschen Spitzenspielerinnen Julia Görges und Laura Siegemund eingestuft.

Kommentarlose Absage

Das Bundesliga-Aus stelle sie „vor eine ungewisse Zukunft“, sagt Heisen. „Ärgerlich ist auch, dass sie einfach so kommentarlos abgesagt wurde. Rückhalt vom Verband sieht anders aus“, meint die 26-Jährige und hätte für eine Verschiebung plädiert: „Man hätte ja versuchen können, sie parallel zur Männer-Bundesliga laufen zu lassen oder – wie die Vereine vorgeschlagen haben – in verkürzter Form im September durchzuführen.“

Auch in der Weltrangliste, wo sie im Doppel 168. und im Einzel 426. ist, könnte es für Heisen negative Auswirkungen geben. Zwar wurden die Werte bis zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs auf dem aktuellen Stand eingefroren, aber aufgrund unterschiedlicher Trainingsbedingungen dürfte es für Heisen schwierig werden, die Punkte aus dem Vorjahr zu verteidigen. „Ich kann derzeit nicht mal in die Halle, um dort alleine mit der Ballmaschine oder mit meinem Ehemann zu trainieren. Das ist nicht überall in der Welt so“, meint die 26-Jährige, die 2019 Lauris Gruskevics (jetzt Heisen), den BTB-Basketballer, geheiratet hat.

„Wichtiger als der Sport“

„Wichtiger als der Sport ist derzeit, dass möglichst viele Menschen gesund bleiben“, meint Heisen trotz ihrer persönlichen Sorgen um die Tennis-Karriere und hat auf Facebook schon am 17. März die Seite „Wiefelstede hilft – Wir halten zusammen.“ initiiert. Unter anderem tauschen sich hier Menschen aus und bieten zum Beispiel auch Unterstützung bei Einkäufen an.

Verschiebungen und Streichungen im internationalen wie nationalen Bereich

Die internationalen Verbände WTA (Women’s Tennis Association der Frauen) und ATP (Association of Tennis Professionals, Männer) haben in dieser Woche entschieden, die aufgrund der Coronavirus-Krise bereits bestehende Turnierpause frühzeitig bis zum 13. Juli auszuweiten. Bis dahin finden auch keine Turniere auf der darunter angesiedelten ITF-Ebene (International Tennis Federation) statt, wo Heisen spielt.

Der Deutsche Tennis Bund (DTB) hatte schon die gesamte Turnierlandschaft bis 7. Juni abgesagt. Dieser Entscheidung haben sich die Regionalligen, wo die Männer des OTeV in der Nordost-Staffel spielen, und unter anderem der Tennisverband Niedersachsen-Bremen (TNB) angeschlossen.

Der Sommer-Plan in den TNB-Ligen wird wie auch in den Regionalligen um meist fünf Wochen verschoben. Saisonstart soll am 13./14. Juni sein. Bei den Erwachsenen soll bis 27. September gespielt werden. Im Jugendbereich soll versucht werden, alles vor den Sommerferien zu Ende zu spielen, damit die Pokalrunden bestehen bleiben können.

Die Landesmeisterschaften der Frauen, Männer und Altersklassen finden nicht im Juni, sondern vom 4. bis 6. September statt. Die Regionsmeisterschaften werden verschoben oder abgesagt.

National sind die Spiele der Frauen in der 1. Bundesliga und den beiden Zweitliga-Staffeln, die Anfang Mai beginnen sollten, komplett gestrichen worden. Bei den Männern wird hier ohnehin erst ab Juli gespielt. In den Männer-30-Bundesligen entfallen alle Spieltage bis 7. Juni. Es soll noch geklärt werden, ob sie entfallen oder nachgeholt werden.

Jan-Karsten zur Brügge
Jan-Karsten zur Brügge Sportredaktion
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