Oldenburg - Die für die Reitsport-Freunde gute Nachricht: Der AGRAVIS-Cup meldete sich am frühen Samstagmorgen um 7.30 Uhr mit der ersten Prüfung des Tages zurück. Tags zuvor war die Zeiteinteilung beim internationalen Oldenburger Hallenturnier noch heftig durcheinandergewirbelt worden, nachdem sämtliche neun Prüfungen des Freitags aufgrund der massiven Bodenprobleme in der großen EWE-Arena und der Abreitehalle abgesagt werden mussten. Die weniger gute Nachricht: Die nachgeholte Grand-Prix-Prüfung fand ohne die deutschen Top-Starter statt.

Die Team-Olympiasiegerin und erste Siegerin vom Donnerstag, Dorothee Schneider (Framersheim), war ebenso am Freitag abgereist wie die einstige Mannschafts-Weltmeisterin Fabienne Müller-Lütkemeier (Paderborn), Matthias Alexander Rath (Kronberg) oder Lena Waldmann (Werder). Darunter litt selbstredend das Niveau dieser 4-Sterne-Prüfung. Denn nur noch fünf Paare bildeten schlussendlich das dezimierte Starterfeld in der Großen Tour der Dressurreiter. Mit 71,065 Prozentpunkten sicherte sich schließlich der Brasilianer João Victor Marcari Oliva mit seinem Pferd Escorial Horsecampline den Sieg im Grand Prix. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren in dieser internationalen Prüfung 75,348 Prozentpunkte zum Sieg nötig.

Zum CDI4* in Oldenburg waren vom Veranstalter ursprünglich Reiterinnen und Reiter aus fünf Nationen mit 15 Pferden für die Große Tour angekündigt worden. Und auch im nationalen Louisdor-Preis, einer Dressur-Serie für acht bis zehn Jahre alte Pferde, fehlten im Kampf um die letzten zu vergebenden „Tickets“ für das Finale der Serie im Dezember in der Frankfurter Festhalle etliche Cracks. So gingen am Samstag lediglich nur noch zwei Paare an den Start. Es siegte die Tochter des Turnierleiters Sophia Funke mit Quindale (68,744 Pronzent). Für das Finale im Louisdor-Preis zählte dieser Grand-Prix für Nachwuchspferde fairerweise nicht, als Qualifikation dient der Wettbewerbsleitung lediglich die Einlaufprüfung zum Louisdor-Preis vom Donnerstag, die Dorothee Schneider mit Sisters Act MT OLD souverän mit 75,18 Prozent gewonnen hatte.

Organisator des Frankfurter Turniers ist im Übrigen Matthias Alexander Rath, der seinen Hengst Destacado ursprünglich in Oldenburg in der Großen Tour vorstellen wollte, um den Achtjährigen vor großer Kulisse auf das Finale in Frankfurt vorzubereiten. „Daraus wurde nun nichts“, meinte ein enttäuschter Rath bei seiner Abreise am Freitag. Die miserablen Bodenverhältnisse ließen keinen großen Sport zu. „Ich kenne beide Seiten. Für einen Veranstalter ist so ein Tagesausfall eine Katastrophe und für einen Reiter oder Reiterin überaus ärgerlich. Ich beispielsweise bin eigens für diese Prüfungen nach Oldenburg gereist. Spaß macht so etwas nicht“, konnte Rath seine Enttäuschung über die Oldenburger Turnierorganisation nicht verbergen.

Reitmeister Hubertus Schmidt (Etteln), der zusammen mit seinem Schüler Anush Agarwalla (Indien) in Oldenburg mehrere Pferde an den Start bringen wollte, verabschiedete sich am Freitag mit den Worten: „Wir wollten in der Abreitehalle trainieren. Aber der Boden war so tief und matschig, wie Knetgummi. Da konnten wir nicht reiten. Und ich kann ja keinen Grand Prix reiten, wenn ich vorher nicht trainieren kann.“ Schmidt, dessen Stimme Gewicht hat in der Dressurszene, hatte mit seiner Aussage für eine heftige Diskussionen in den sozialen Medien und für einige Verstimmung bei der Oldenburger Turnierleitung gesorgt.