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NWZonline.de Sport

Das braucht man für eine Erdumseglung

08.03.2019
Frage: Herr Herrmann, Sie sind ein erfahrener Profisegler und bei Regatten schon viermal um die Erde gesegelt. Erinnern Sie sich eigentlich noch an Ihren ersten richtigen Sturm?
Boris Herrmann (37): Oh, das ist lange her. Das muss als Kind auf der Nordsee gewesen sein. Aber da war ich natürlich nicht allein.
Frage: Ende 2020 wollen Sie als erster Deutscher an der härtesten Regatta der Welt, der Vendée Globe, teilnehmen. Dabei geht es nonstop allein einmal um die Erde. Sind auch dort Stürme das Gefährlichste?
Herrmann: Das Beste ist, man kommt erst gar nicht in einen Sturm. Mein Boot kann so schnell fahren, dass ich entsprechenden Wettergebieten ausweichen kann. Das funktioniert natürlich nicht überall. Wenn es beispielsweise vor Kap Hoorn stürmt, kann ich dort keine andere Route wählen. Dann muss ich da durch.
Frage: Was ist denn die größte Herausforderung bei dieser Regatta?
Herrmann: Die Vorbereitung ist extrem wichtig. Man muss sein Boot sehr gut kennen, man muss sich selbst gut kennen und wissen, wie man in Extremsituationen reagiert. Die größte Sorge ist deshalb, dass etwas Unvorhergesehenes geschieht. Das mag seltsam klingen, weil auf einer Regatta einmal um die Erde natürlich unvorhergesehene Dinge passieren können. Wenn ich aber beispielsweise einen technischen Defekt am Boot habe, den ich mit Bordmitteln nicht beheben kann, dann wäre die Regatta für mich möglicherweise beendet. Vor solchen Dingen habe ich Sorge. Auf viele andere Dinge kann man sich vorher einstellen.

Der Skipper

Boris Herrmann stammt aus Oldenburg. Der 37-Jährige, der in Bremen Wirtschaftswissenschaften studierte, machte beim Zwischenahner Segelklub die ersten Schritte in seinen Sport. Mit der 18,3 Meter langen Yacht „Malizia“ will er im November 2020 an der Vendée Globe teilnehmen. Diese Regatta findet nur alle vier Jahre statt. Sie führt mit einem Start- und Zielpunkt an der französischen Atlantikküste nonstop einmal um die Erde. Dabei sind – je nach Kurs – etwa 21 000 Seemeilen (ca. 38 900 Kilometer) zurückzulegen. Alle teilnehmenden Boote sind 60 Fuß (18,3 Meter) lang. BILD: Gerguad

Frage: Sie bereiten sich bereits jetzt auf diese Regatta vor. Wie genau passiert das?
Herrmann: Ich bin etwa ein Drittel meiner Zeit in Hamburg, wo ich lebe. Dort kümmere ich mich um die Finanzierung, die Logistik und fülle einen Haufen Formulare aus. Ich habe hier in Hamburg eine Helferin, die mich in Vollzeit unterstützt. Rund zwei Drittel meiner Zeit bin ich unterwegs. So bin ich regelmäßig bei meinem Boot im französischen Lorient. Dort sind ständig vier Leute vor Ort, die an dem Boot arbeiten. Mit denen bespreche und teste ich alle möglichen Dinge. Außerdem bin ich auf Messen, bei meinen Sponsoren und bei Veranstaltungen.
Frage: Wie viel Geld ist nötig, um mit diesen Rahmenbedingungen an der Vendée Globe teilnehmen zu können?
Herrmann: Bei der Regatta starten 30 Boote. Die meisten dieser Kampagnen haben einen Etat zwischen fünf und zehn Millionen Euro. Und in diesem Bereich bewege ich mich mit meinem Team auch.
Frage: Wie finanziert man so etwas?
Herrmann: Ich habe glücklicherweise den Yachtclub von Monaco als Sponsor. Das ist mehr als ein reiner Segelclub. Er tritt auch als Veranstalter auf, dort arbeiten mehr als 200 Leute. Darüber hinaus habe ich weitere Sponsoren und Förderer. Ohne die wäre ein solches Projekt nicht möglich.
Frage: Und wie sieht die Vorbereitung auf dem Wasser aus?
Herrmann: In diesem Jahr nehme ich an fünf Regatten teil. Die größte davon ist ein Transatlantikrennen von Frankreich nach Brasilien. Auf diesen Regatten geht es darum, weitere Daten und Erfahrungen zu sammeln, die mir bei der Vendée Globe nützlich sein können.
Frage: Bei der vergangenen Vendée Globe, die im Winter 2016/17 ausgetragen wurde, benötigte der Sieger 74 Tage. Das heißt, Sie werden bei Ihrer Teilnahme mindestens zweieinhalb Monate ganz allein auf See sein. Wie bereiten Sie Ihren Körper auf diese Belastung vor?
Herrmann: Das Thema Schlaf ist ein ganz wichtiges. Auf See ist es so, dass man häufiger und dafür kürzer schläft, manchmal nur eine halbe Stunde. Ich habe schon einmal probiert, in den Tagen und Wochen vor einer Regatta meinen Schlafrhythmus so umzustellen. An Land funktioniert das aber nicht gut, weil die Abläufe um einen herum dann noch ganz andere sind. Deshalb stellt sich dieser Rhythmus erst ein, wenn ich auf See bin. Nach ein paar Tagen merke ich dann, dass ich eins werde mit dem Boot und der Umwelt. Das heißt, wenn ich schlafe und das Boot etwas zu schräg im Wasser liegt, wache ich auf – weil ich auch im Schlaf merke, dass etwas nicht stimmt. Erst wenn die Bedingungen um mich herum passen, kann ich schlafen.
Frage: Laufen Sie nicht Gefahr, völlig zu übermüden?
Herrmann: Nein, das wäre auch sehr gefährlich. Ich muss genau darauf achten, kein Schlafdefizit aufzubauen. Ich muss mir stets Pausen gönnen und in diesen Pausen schlafen.
Frage: Und wenn Sie nach einer Regatta wieder an Land sind, schlafen Sie drei Tage durch?
Herrmann: Nein. Bisher bin ich immer in der ersten Nacht an Land mehrmals aufgewacht, weil noch in mir drinsteckte, dass ich mich um etwas kümmern muss. Und auch wenn das gar nicht mehr der Fall ist, schlafe ich nicht auf einmal durch. Die mentale Belastung wirkt noch lange nach. Als Faustregel gilt, dass man nach einem Wettbewerb meist noch die doppelte Dauer der Regatta benötigt, bis diese Belastung abgebaut ist.
Hauke Richters Leitung / Sportredaktion
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