Oldenburg - Ein attraktives Auswärtsspiel in der Nähe der Niagarafälle haben noch nicht so viele Fußballer bestritten. „Wir mussten in Buffalo an der kanadischen Grenze antreten und haben dann einen Abstecher gemacht“, berichtet Matti Grahle begeistert. Land und Leute hat er in den ersten vier Monaten seines USA-Aufenthalts schon bestens kennen gelernt. Seit Mitte August spielt der Oldenburger für die Rider-Universität in Lawrenceville/New Jersey. Den Weihnachtsurlaub verbringt der Wirtschaftsstudent in seiner Heimatstadt und hat eine Menge zu erzählen.

„Ich kann Training und Studium dort sehr gut vereinbaren. Bislang habe ich keine Sekunde bereut“, sprudelt es aus dem 19-Jährigen heraus, der in der vergangenen Saison Kapitän der in der Bundesliga spielenden A-Junioren des VfL war. Dass er über ein Fußballstipendium in den USA gefördert wird, verdankt er allerdings dem Zufall. Es war das Regionalliga-Spiel bei Concordia Hamburg in der vorletzten Saison, als Mitspieler Jens Warncke, der sich dafür beworben hatte, von Scouts beobachtet wurde. Aber nicht nur der Teamkollege fiel positiv auf, sondern auch Matti. Das eröffnete dem Mittelfeldspieler nach seinem Abitur eine neue Perspektive.

Sport wird an den Colleges groß geschrieben, Soccer wird immer beliebter. Daher fahnden die US-Unis gerne in Europa nach talentierten und erstklassig ausgebildeten Fußballern. „Gute Sportler sind gut fürs Image, und dafür investiert ein College viel Geld“, erklärt Matti und berichtet von großem Teamgeist im Hochschulsport. Außer ihm kicken noch zwei weitere Deutsche im Team: Jens Warncke und ein Spieler des MSV Duisburg. Der Kern der Elf besteht aus US-Amerikanern. „Die spielen sehr körperbetont, sind aber taktisch nicht so gut geschult“, bemerkt Matti, der ein Zimmer auf dem Uni-Campus bewohnt. Das Training sei sehr hart, sechs bis sieben Einheiten stehen pro Woche auf dem Programm, einige davon für Frühaufsteher schon vor dem College. „Doch auch die medizinische Betreuung ist hervorragend“, lobt Matti. „Bei kleineren Verletzungen ist man schnell wieder fit.“

In der abgelaufenen Meisterschaft reichte es immerhin zu einem Mittelfeldplatz, die Playoffs verpasste die Auswahl der Rider-Universität, an der der Fußball über den Status einer Randsportart im Base- und Basketball-verrückten Amerika bereits hinausgekommen ist. Das hat laut Matti einen Hauptgrund: „Bei uns gibt es kein American-Football-Team“, spielt er auf den Nationalsport der USA an.

Doch bei allem sportlichen Ehrgeiz hat der Gaststudent viele interessante Erfahrungen über den Fußball hinaus gesammelt. „Anfang November habe ich die Präsidentenwahl live verfolgt. Das war wirklich spannend“, schildert Matti, der gerne mit seinen Kommilitonen über Politik diskutiert. „Ich war schon irritiert, wie nachlässig die Amerikaner mit dem Umweltschutz umgehen“, kritisiert er. Auch der große Unterschied zwischen Arm und Reich sei auffällig. „Dafür sind die USA ein sehr gastfreundliches Land.“

In das kehrt er Ende Januar wieder zurück. Im Mai enden dann das zweite Semester und das Stipendium. „Danach möchte ich in Deutschland studieren, im Bereich Sport und Wirtschaft“, plant Matti. Für den VfL wird er dann wohl nicht mehr die Schuhe schnüren, da er Oldenburg verlassen möchte. Aber vielleicht kehrt er im Trikot eines anderen Vereins eines Tages an die Alexanderstraße zurück – zu einem attraktiven Auswärtsspiel.