Hannover - Der liebevolle Beiname „Diskus-Liesel“ drückt die große Popularität für Liesel Westermann-Krieg aus. Die Leichtathletin warf 1967 als erste Frau den Diskus über die 60-Meter-Marke. Lange Zeit gehörte sie der Weltspitze an und verbesserte den Weltrekord mehrmals auf zuletzt 63,96 Meter. Ein Titel bei internationalen Meisterschaften blieb ihr versagt. Dennoch zählt die Spitzen-Werferin, die an diesem Sonntag ihren 70. Geburtstag in Hannover feiert, zu den beliebtesten und bekanntesten deutschen Sportlerinnen.

Nach drei Weltrekorden und Olympia-Silber 1968 wollte sie 1972 bei den Olympischen Spielen in München zum goldenen Wurf ausholen. „Ich befand mich in herausragender Form“, sagt die Jubilarin. „Das Attentat hat mich jedoch sehr beeinflusst. Es hat sehr viel Nervenkraft gekostet“, erzählt Westermann-Krieg. Am 5. September 1972 waren palästinensische Terroristen ins Olympische Dorf eingedrungen und hatten die Quartiere der israelischen Athleten gestürmt. Die Geiselnahme kostete elf israelischen Sportlern das Leben – fortan standen die Spiele unter dem Schatten dieser Tragödie, für Westermann-Krieg war an eine gewöhnliche Vorbereitung nicht mehr zu denken. „Dennoch landete der Diskus beim ersten Wurf jenseits der Rekordlinie. Leider war ich leicht übergetreten“, erinnert sich die spätere Olympia-Fünfte an den Wettkampf unter besonderen Umständen.

In ihrer Karriere musste sie sich mit den ihr körperlich überlegenen Athletinnen aus Osteuropa auseinandersetzen. Im Vergleich zu den Kraftpaketen wirkte die „Diskus-Liesel“ mit 1,72 Meter und einem Gewicht von etwa 75 Kilogramm fast zierlich. Ihre Stärke im Diskusring war die schnelle Drehung. Dank ihrer hohen Grundschnelligkeit wurde die gebürtige Sulingerin 1964 mit Renate Meyer, Christa Elsler und Erika Fisch sogar deutsche Meisterin in der 4 x 100 Meter-Staffel.

Die vierfache Mutter, die jahrelang als Lehrerin in Nordrhein-Westfalen tätig war und 2003 in das Niedersächsische Kultusministerium gewechselt war, betreibt noch immer Sport. „Ich bin eine begeisterte Golferin geworden, spiele aber auch sehr gerne Karten. Ich gehöre verschiedenen Doppelkopfrunden an. Inzwischen habe ich noch mit Bridge angefangen“, erzählt Deutschlands Sportlerin des Jahres von 1967 und 1969.

Kontakte pflegt sie noch immer zu Athletinnen aus ihrer aktiven Zeit. „Wir nennen das Turnschwesterntreffen“, berichtet Westermann-Krieg lächelnd.