PEKING - Nur zehn Dopingfälle und drei aberkannte Medaillen bis zum Schlusstag aber Ungewissheit bis ins Jahr 2016: Auch wenn die Fahnder bei den Spielen in Peking nur wenige Sünder aus dem Verkehr zogen, ist es zu früh für eine Entwarnung. Die Zweifel an der Flut von 43 Weltrekorden bleiben. Die 5000 Proben, zehn Prozent mehr als ursprünglich vorgesehen, werden acht Jahre lang eingefroren. Bei neuen Verdachtsmomenten soll nachgeprüft werden.
Wir glauben, es gibt weniger Doper, weil der Abschreckungseffekt groß war. Die Zahl der Tests wurde erhöht, die Strafen sind verschärft, die Proben werden aufgehoben, sagte IOC-Präsident Jacques Rogge. Er hatte nach 14 Fällen im Jahr 2000 in Sydney (3200 Kontrollen) und 28 vier Jahre später in Athen (3700) diesmal mit 30 bis 40 gerechnet.
Auch der Welt-Schwimmverband Fina teilte am Sonntagabend mit, dass alle Proben negativ waren. Insgesamt seien, so die Fina, bei den Schwimmern 216 Urin-, 103 EPO- und 24 Blutkontrollen durchgeführt worden.
Von weniger positiven Tests auf weniger Doping zu schließen, wäre allerdings fahrlässig. Denn schon vor den Spielen sind laut Rogge 39 Sünder von den Fachverbänden und der Welt-Anti-Doping-Agentur aus dem Verkehr gezogen worden.
Dopingjäger Werner Franke lässt sich nicht beirren: Die Tests sind nichts wert. Erwischt werden nur Idioten. Es wird gedopt wie immer nur auf höherem Niveau. Dagegen meint IOC-Vizepräsident Thomas Bach: Vor acht Jahren war der Abstand zwischen Dopern und Dopingjägern sicher groß wie nie. Aber seitdem haben wir aufgeholt.
Das Einfrieren der Proben, um sie bei neuen Erkenntnissen nachkontrollieren zu können, sei eine Lehre aus Sydney mit den späten Geständnissen von Marion Jones und Antonio Pettigrew.
Zwei Medaillengewinner verloren ihr Edelmetall: Siebenkämpferin Ludmilla Blonska aus der Ukraine Silber und der nordkoreanische Pistolenschütze Kim Jong-Su Silber (freie Pistole) und Bronze (Luftpistole).
Zudem droht der norwegischen Springreit-Equipe der Verlust von Bronze, nachdem beim Pferd von Tony Andre Hansen in der A-Probe das verbotene Capsaicin festgestellt worden war. Auch das Pferd des deutschen Reiters Christian Ahlmann (Marl) wurde positiv getestet.
