Heide - Viele Eltern kennen das. Da kommt das Kind schon wieder bedrückt von der Schule nach Hause, weil es schon wieder von einem Mitschüler geärgert und geschubst wurde. Da liegt die Empfehlung nahe: „Wehr Dich, schubs’ auch.“ Doch: „Falsch“, sagt Oliver Henneke vom Förderverein „Gewaltfrei Lernen“. Wie das Kind stattdessen reagieren kann, hat er in dieser und der vorigen Woche den 190 Kindern, den Eltern und Lehrern der Grundschule Heide gezeigt. Da ging es um den Gorillagriff, die Rutsche, die Schraube – und vor allem: ums Sprechen.
Das Konzept „Gewaltfrei Lernen“ war schon vor mehreren Jahren an Kölner Schulen entwickelt und mit Hilfe der Deutschen Sporthochschule evaluiert worden. Henneke und Sibylle Wanders, Initiatoren des gleichnamigen Vereins, fahren mit einem Team aus Sportwissenschaftlern, Sonderpädagogen und Psychologen zu Schulen, um das Anti-Konflikt-Training durchzuführen. Auch die Ganderkeseer Grundschule Lange Straße nahm bereits teil.
Dass das Konzept Wirkung zeigt, steht für Henneke fest: „95 Prozent der Streitfälle auf Pausenhöfen sind beendet, wenn Kinder respekteinflößend sagen können: ,Mensch, hör’ auf’.“ Sie müssten den Mut haben, klar zu sagen, was sie (nicht) wollen. Genau das trainiert er mit den Kindern – zum Beispiel mit der „Stopp-Regel in drei Schritten“: Erst wird Stopp gesagt, wenn das nichts fruchtet, gewarnt – und wenn auch das nichts bringt, wird Hilfe geholt. Parallel wird die Körpersprache trainiert – der „Bohrerblick“ zum Beispiel, die „Reißverschlusshaltung“, die „Stopp-Hände“.
Darüber hinaus setzt das Konzept auf verschiedene Techniken, sich aus einer Umklammerung oder einer anderen Situation der körperlichen Bedrängnis zu befreien. Da geht es dann um den „Gorillagriff“ oder „Siegergriff“, um die „Rutsche“ oder die „Schraube“.
Das Konzept, so betont Henneke, setze auf Deeskalation. Sein Praxisunterricht in der Sporthalle „ist kein Selbstverteidigungskurs. Wir zeigen den Kindern nicht, wie sie effektiv schlagen oder treten können“. Keiner der Beteiligten solle verletzt werden.
Dazu sagte Ursula Dunker, Leiterin der Heider Grundschule, dass Streitsituationen unter Kindern oft aus dem Spiel heraus entstünden, „auf einmal kippt das dann“. Die Grundschule habe schon seit Längerem nach einem vernünftigen Konzept Ausschau gehalten, entstehende Streitigkeiten schon im Ansatz zu deeskalieren. „Gewaltfrei Lernen“ biete die Vorteile, dass es nicht „so kopflastig“ sei wie andere Programme – und dass hier die gesamte Schule teilnehmen könne.
So waren auch ein Elternabend und zwei Lehrerfortbildungen Bestandteil des Projektes – um eine nachhaltige Wirkung zu erreichen.
