London - Erst zwei Tage nach seiner ultimativen Demütigung sorgte Phil Taylor für Klarheit: Der 56-jährige Rekord-Weltmeister wird seine Laufbahn als Darts-Profi fortsetzen. „Ich gebe das nicht auf. Nach dieser Niederlage habe ich mich entschlossen, noch härter zu arbeiten und mich noch einmal zu verbessern“, sagte Taylor in einer Mitteilung des Weltverbandes PDC am Sonntagabend. Stattdessen will der 16-malige Champion bei der WM 2018 noch einmal eine wichtige Rolle spielen: „Ich werde nächstes Jahr zurück sein und einen weiteren Anlauf starten.“
Nach dem 3:5 gegen seinen niederländischen Erzrivalen Raymond van Barneveld und dem Aus im WM-Viertelfinale wurde heftig über ein mögliches Karriereende des Rekord-Champions spekuliert. Taylor verschwand nach dem K.o. im Londoner Alexandra Palace wortlos hinter den Kulissen und äußerte sich über offizielle Kanäle zunächst mehr als zwei Tage lang nicht zu seinen Plänen.
Dabei hatte Taylor gegen den Niederländer eine sportliche Kränkung auf der größten Darts-Bühne erlebt. Bei der Niederlage war er nicht nur sportlich unterlegen, anschließend hielt ihm Sieger van Barneveld auch noch genüsslich das Darts-Board hin und ließ Taylor auf der Rückseite unterschreiben, um die Scheibe als Erinnerung mitzunehmen. „Ich hatte eigentlich nicht vor, das zu machen, aber warum eigentlich nicht“, sagte van Barneveld: „Er macht das schließlich immer, jetzt kriegt er es mal zurück.“
Jahrelang dominierte Taylor den Darts-Sport, ist mit insgesamt 16 Weltmeister-Titeln – davon 14 bei der PDC (Professional Darts Corporation) und zwei bei der BDO (British Darts Organisation) – der unangefochtene Rekord-Champion. Doch gegen van Barneveld wirkte der Mann aus Stoke-on-Trent oft unkonzentriert und weniger souverän als zu seinen Glanzzeiten. „Ich habe ein bisschen mehr Gegenwehr von Phil erwartet“, kommentierte der Niederländer.
Unzählige Male haben sich Taylor und van Barneveld auf der großen Darts-Bühne duelliert, meistens gewann der Engländer. Jahrelang war Taylor fast unschlagbar, zwischen 1994 und 2010 stand er nur einmal nicht im WM-Finale, gewann 13 von 17 möglichen Titeln. „Wenn ich etwas anfange, dann will ich der Beste sein“, sagte er einmal.
Medien spekulierten zunächst, der K.o. könne das Ende der Ära Taylor bedeuten. „Van Barneveld hat den 16-maligen Champion noch ein Stück näher an die Rente gebracht“, meinte „The Sun“.
