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NWZonline.de Sport

Plötzlich Favorit

06.01.2017

Green Bay Es ist nicht bekannt, ob Aaron Rodgers ein guter Pool-Billard-Spieler ist. Bekannt ist, dass Aaron Rodgers ein Quarterback ist, und zweifelsohne einer der besten. Und: Er hat jede Menge Selbstvertrauen. Wenn am Wochenende die Play-offs in der National Football League (NFL) mit den vier Wild Card Games beginnen, macht dies Rodgers und seine Green Bay Packers daher zu Anwärtern auf die Teilnahme am Super Bowl LI (51).

Lange sah es allerdings gar nicht danach aus, als könnten Rodgers und die Packers ihrer Favoritenrolle, die ihnen vor Saisonbeginn wie selbstverständlich zugeschrieben worden war, gerecht werden. Im Gegenteil. Am 20. November verloren sie in Washington 24:42, es war die vierte Niederlage nacheinander, ein Desaster. Die Bilanz der Packers zu diesem Zeitpunkt, nach zehn von 16 Spielen: 4:6 Siege. Die Bilanz von Rodgers: Mittelmaß, und somit beschämend.

Drei Tage später stand Rodgers vor seinem Spind in der Umkleide und sagte den denkwürdigen Satz: „We can run the table.“ „Run the table“ stammt aus dem Billard und bedeutet so viel wie: alle noch auf dem Tisch liegenden Kugeln nacheinander abräumen. Was Rodgers damit ausdrücken wollte: Wir werden die restlichen sechs Spiele gewinnen und uns noch für die Play-offs qualifizieren. Oliver Kahn würde sagen: Der Mann hat Eier.

Rodgers hielt Wort. Erst kritisch, dann zunehmend ungläubig und schließlich bewundernd verfolgt, trieb der 33 Jahre alte Stratege seine Mannschaft von Sieg zu Sieg. Die Stärke von Rodgers ist, sich aus schier ausweglosen Situationen zu befreien, er findet immer eine Lösung, selbst wenn seine Offensive Line ihn nicht mehr vor den gegnerischen Spielern schützen kann. Nun machte er daraus eine sechsteilige Serie. Die Packers räumten den Tisch ab.

Am vergangenen Wochenende sicherten sich die Packers mit einem 31:24 gegen ihren Gruppen-Rivalen Detroit Lions den Sieg in ihrer Division, der NFC North. Ihre Bilanz von 10:6 Siegen reichte nur noch für eine Wild Card, aber: Gegen einen Aaron Rodgers in dieser Form will keine Mannschaft spielen. Am Sonntag kommen die New York Giants ins Lambeau Field nach Green Bay - in jedes andere Stadion würden sie wohl lieber fahren.

Und Rodgers? 2011 hat er die Packers zum Sieg im Super Bowl geführt. Zweimal war er schon MVP, der wertvollste Spieler in der NFL, er hat gute Chancen, es diesmal wieder zu werden nach der grandiosen Aufholjagd, trotz elitärer Konkurrenz durch seine Quaterback-Kollegen Tom Brady von den New England Patriots, Matt Ryan von den Atlanta Falcons oder den fantastischen Rookie Dak Prescott von den Dallas Cowboys.

Seit seiner Ansage warf Rodgers 15 Touchdown-Pässe - und keine Interception. Er bügelte die Schwächen seiner Mannschaft, die nach wie vor mit zahlreichen Verletzungen zu kämpfen hat, mit seiner individuellen Klasse aus. Gegen die Lions etwa dehnte Rodgers mit Geschick und vermutlich Eiswürfeln in seinen Adern einen Spielzug auf geradezu unglaubliche 8,78 Sekunden aus, bevor er den Ball warf - selbstverständlich zu einem Touchdown.

Er habe diesen „Run the table“-Spruch nicht einfach nur so gesagt, betonte Rodgers nach dem vergangenen Wochenende. Nein, er sei überzeugt davon gewesen, dass er und die Packers es drauf hätten. Dass sein legendärer Vorgänger Brett Favre am Dienstag in einer Radioshow sagte, dass die Packers am 5. Februar im Super Bowl in Houston spielen würden, hat Rodgers bestimmt gerne gehört. Aber es wäre nicht nötig gewesen. Er weiß, wie man abräumt.

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