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NWZonline.de Sport

Triathlon: Profi-Sportler als Nebenjob

06.09.2016

Oldenburg Um 6 Uhr klingelt der Wecker. Christian Hörper steht auf, packt seine Tasche und fährt ins Olantis. Um 6.30 Uhr ist er im Wasser und spult die erste Einheit ab: vier Kilometer Schwimmen. Anschließend geht es ins Büro nach Brake – arbeiten. In der Mittagspause fährt Hörper nach Ovelgönne, wo er nach einem 10-Kilometer-Lauf mit Tempo-Intervallen bei seinen Eltern duschen kann. Dann geht’s zurück ins Büro, bis 17.30 Uhr. Abends setzt er sich für zwei Stunden aufs Rennrad – im Sommer fährt er draußen, im Winter auf der „Rolle“ im Wohnzimmer. Oder er macht Kräftigungsübungen vor dem Fernseher.

So sieht nicht jeder Tag in Hörpers Leben aus. Doch während viele Berufstätige eine große (Extra-)Portion Motivation brauchen, um einmal am Tag Sport zu machen, sind für den 29-Jährigen mindestens zwei Einheiten tägliche Routine. Denn der Oldenburger ist Profi-Triathlet, betreibt seinen Sport aber dennoch neben seinem Beruf als Fachwirt für Finanzen und Versicherungen.

Stundenlanges Training

Hörper investiert etwa genauso viel Zeit in seine sportliche Karriere wie in seinen Job. 25 bis 30 Stunden Training in der Woche stehen auf dem Plan. Zu vier Schwimm-, drei Lauf- und drei Radeinheiten kommen Stabilisationsübungen, Krafttraining, Dehnen – und Dinge, die ein Sportprofi eben noch macht: Sponsorentermine, Reiseplanung, Pressearbeit, Internetauftritt. All das macht Hörper selbst. „Social Media ist ein Zeitfresser – aber das musst du machen. Es gibt nichts schlimmeres, als jemanden zu googeln und der letzte Eintrag ist von 2012“, erklärt Hörper.

Laut Definition ist ein Profi-Sportler jemand, der von den Einkünften, die er durch seinen Sport erzielt, leben kann. Das trifft auf Hörper nicht zu. Dennoch mischt er seit Anfang 2015 im Profi-Zirkus der Triathleten mit. Die dafür nötige Lizenz kann im Prinzip jeder erwerben.

„Ohne den Job würde es nicht gehen“, sagt der Oldenburger. Denn: Der Sport kostet viel Geld. Ausrüstung, Lizenz, Trainer, Wettkampfgebühren, Reisekosten zu Rennen und in Trainingslager – da kommt eine ordentliche Summe zusammen. „Ich habe zwar Sponsoren, und da bin ich sehr froh drüber. Aber das meiste kommt aus der eigenen Tasche“, erklärt Hörper, der einen schwierigen Spagat in puncto Zeit- und Geldmanagement zu meistern hat.

Unterstützung bekommt er von seinem Vater, der eine Agentur einer regionalen Versicherung hat und seinen Sohn dort beschäftigt. Er sieht in der Verbindung zwischen Arbeit und Sport die Ausgeglichenheit: „Wer in seiner Freizeit dem nachkommen kann, was ihm Spaß macht, ist auch bei der Arbeit ausgeglichener und leistungsfähiger“, sagt Edgar Hörper. Und das treffe auf Sohn Christian zu. Dessen zweite Karriere ist für den Chef kein Problem: „Alles eine Frage der Planung und Vorbereitung.“ Genau wie beim Training, so dass für den arbeitenden Profi kaum freie, unverplante Zeit bleibt.

Weltenbummler

Doch das ist es dem 29-Jährigen wert. „Der Sport ist meine Freizeit“, betont er. „Es ist gesund und macht megaviel Bock.“ Triathlon findet er „ein Stück geiler“ als nur zu Laufen, weil „man sich noch mehr quälen muss“. Seine Spezialstrecke ist die 70.3-Distanz, also ein halber Ironman über 70,3 Meilen oder 113 Kilometer: 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren, 21,1 Kilometer Laufen. Das erfordert viel Training. Für Hörper jedoch keine verlorene Zeit – im Gegenteil: „Ich habe viele Erfahrungen gewonnen. Und ich sehe Dinge auf der Welt, die die meisten nicht sehen. Das ist fantastisch.“

Der Wecker klingelt. Um 6 Uhr steht Christian Hörper schon am pazifischen Ozean – inmitten der besten Triathleten der Welt. Um 6.15 ertönt der Startschuss zum WM-Rennen der Profis im australischen Ort Mooloolaba an der Sunshine Coast. Hörper stürzt sich in die Wellen und krault los. Nach 25:45 Minuten steigt er auf’s Rad – doch plötzlich spürt er seinen hinteren Oberschenkelmuskel. „Der war vom ersten Kilometer zu. Ich konnte nicht ansatzweise das drücken, was im letzten Rennen ging“, sagt Hörper verärgert: „Ziemlich mies. Das war eher eine zügigere Trainingsfahrt.“ Auch beim Laufen ist er sechs Minuten langsamer als Ende August in Wiesbaden. Nach 4:13:55 Stunden kommt er als Gesamt-73. und als 35. Profi ins Ziel. Er hatte sich für dieses Rennen mehr vorgenommen.

Für den WM-Start hat Hörper, der früher Kraftsport betrieb (Hörper: „Eisen biegen!“) und während seiner Bundeswehrzeit drei Marathons mit wenig Training absolvierte („...weil ich mir das in den Kopf gesetzt hatte“), viele Kilometer zurückgelegt – nicht nur während des Trainings. Ein erster Schnelldurchlauf: 2012 Mitteldistanzen in Hannover und Wiesbaden, 2013 Remich (Luxemburg) und Wiesbaden, 2014 Aix en Provence (Frankreich) und Kraichgau – und wieder Wiesbaden, wo er sich als Vize-Europameister seiner Altersklasse für die Weltmeisterschaft der „Age Grouper“ in Mont Tremblanc (Kanada) qualifiziert. Dort wird er 18. – und beschließt, Profi zu werden. Ein mutiger Schritt, von dem er seinen Trainer erst überzeugen muss.

Unter dem Tschechen Lubos Bilek, der unter anderem Sebastian Kienle betreut (Ironmansieger von Hawaii 2014 und Zweiter von Mooloolaba), trainiert Hörper seit Ende 2013. „Seine Ergebnisse waren für seine Trainingsumfänge gut“, erinnert sich Bilek: „Er schien talentiert und sehr motiviert zu sein.“ 2015 erhöhen sie Hörpers Trainingsumfänge. Im April bremsen ihn Wadenprobleme aus, die ersten Profi-Rennen in Aix-en-Provence, Heilbronn und Haugesund (Norwegen) laufen nicht wie erhofft. Erst im Sommer spielt die Wade mit.

Zweiter Schnelldurchlauf: Erste Top-10-Platzierung auf Rügen im September, Fünfter in Belek (Türkei) im Oktober, Siebter in Manama (Bahrain) im Dezember, Vierter in Palmas (Brasilien). WM-Quali gesichert, Traum erfüllt.

Nächstes Ziel im Blick

Das WM-Rennen will er jetzt allerdings „schnell vergessen“ – und sich auf kommende Rennen konzentrieren. Im Oktober plant Hörper seine erste Langdistanz – den vollen Ironman. „Ich glaube, das liegt mir“, meint er. Auch sein Trainer traut ihm – mittlerweile – den ganz großen Wurf zu: „Ehrlich gesagt habe ich nicht erwartet, dass wir so weit kommen. Wenn er sich weiter so entwickelt und gesund bleibt, kann er um die Hawaii-Quali bei den Profiathleten kämpfen“, sagt Bilek.

Und auch Vater Edgar freut sich schon darauf, dass „wir im Oktober nächsten Jahres eine Postkarte von der Ironman-WM Hawaii erhalten“.

Mathias Freese Redakteur / Sportredaktion
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