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NWZonline.de Sport

Deutschland gelingt Sensation gegen Kanada

24.02.2018

Pyeongchang Nach einem Spiel fast wie im Rausch kämpft die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen von Pyeongchang sensationell um Gold. Mit Leidenschaft, aber auch mit herrlich herausgespielten Toren und einer Abwehrschlacht in den letzten zehn Minuten besiegte die faszinierende Auswahl von Bundestrainer Marco Sturm am Freitag Rekord-Olympiasieger Kanada mit 4:3 (1:0, 3:1, 0:2) und steht nun im Endspiel am kommenden Sonntag (13.10 Uhr OZ/5.10 Uhr MEZ).

Zwischen der erfolgreichsten Mannschaft der deutschen Eishockey-Geschichte und einem „Wunder von Pyeongchang“ steht nun allerdings Rekordweltmeister Russland. Der große Turnierfavorit besiegte im zweiten Halbfinale Erzrivale Tschechien mit 3:0. Silber wie bei den Weltmeisterschaften 1930 und 1953 hat die DEB-Auswahl aber bereits sicher, und damit mehr erreicht als die deutschen Mannschaften, die 1932 und 1976 bei Olympischen Spielen jeweils Bronze gewannen.

Im Gangneung Hockey Centre überzeugte Sturms Mannschaft in einem temporeichen Spiel zunächst durch erneut solide Abwehrarbeit, aber auch durch Powerplay-Stärke sowie Kaltschnäuzigkeit in der Offensive. DEL-Toptorjäger Brooks Macek (16./5:3-Überzahl), Matthias Plachta (24.), und Frank Mauer (27.) brachten Deutschland mit 3:0 in Führung - das Kabinettstückchen von Mauer beim dritten Treffer war eine Augenweide. Durch Strafzeiten brachten die Deutschen die Kanadier aber wieder zurück ins Spiel.

Yannic Seidenberg (von links), Frank Hördler und Goalie Danny aus den Birken aus Deutschland und Derek Roy aus Kanada in Aktion. Bild: Peter Kneffel/dpa

Nach Gilbert Brules Anschlusstreffer (29.) bei deutscher Unterzahl schlug Patrick Hager (33.) erneut in Überzahl für die deutsche Mannschaft zurück. Brule musste kurz darauf (33.) nach einem brutalen Check gegen David Wolf vorzeitig in die Kabine. Nach dem Gegentreffer durch Mat Robinson (43.), einem vergebenen Penalty von Dominik Kahun (44.) und einer Strafzeit von Plachta kam Kanada durch Derek Roy auf 4:3 heran (50.). Mehr aber auch auch nicht, obwohl Kanada am Ende den Torhüter vom Eis nahm.

Die Bronze-Gewinner von 1976 hatten ihren Nachfolgern aus der Heimat viel Glück gewünscht. „Die Zeit ist reif, dass neue Helden geboren werden“, sagte Alois Schloder dem SID, er sah Parallelen zum „Wunder von Innsbruck“: „Die Chemie stimmt, daher ist alles möglich.“ Rekordnationalspieler Udo Kießling meinte: „Für das deutsche Eishockey hat dieser Erfolg eine große Bedeutung und schiebt vielleicht eine Entwicklung an, die etwas nachhaltiger ist.“

Kanada, nach der NHL-Absage fast ausschließlich aus Europa-Legionären zusammengestellt, begann mit starkem Druck. Doch die DEB-Auswahl konnte sich schneller als gegen Schweden befreien. Auch die ersten Unterzahlsituationen überstand sie unbeschadet. Nach dem Führungstreffer von Münchens Torjäger Macek dominierte die deutsche Mannschaft phasenweise das Spiel und hatte die besseren Torchancen.

Marcus Kink aus Deutschland und Cody Goloubef aus Kanada in Aktion. Bild: Tobias Hase/dpa

Der zweite deutsche Treffer war der bis dahin schönste der DEB-Auswahl im Turnier: Der Münchner Hager spielte einen genialen Querpass auf Plachta, der den Puck ins Netz schlenzte. Doch es ging noch spektakulärer: Nach einem Steilpass von Wolf spielte Kapitän Marcel Goc erst einen Verteidiger aus und legte dann die Scheibe quer auf Mauer, der sie mit dem Schläger zwischen den Beinen ins Tor lenkte.

Als Yannic Seidenberg auf der Strafbank saß, überwanden die Kanadier zum ersten Mal den erneut starken Torhüter Danny aus den Birken. Beim Schuss von Brule in den Winkel war der Münchner machtlos. Danach ging die deutsche Mannschaft erneut mit drei Treffern Vorsprung in Führung, brachte die Kanadier aber durch zahlreiche Straftzeiten wieder heran und sich fast um den Sieg. Aber nur fast.

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