Oldenburg/Lohne - Rund ein halbes Jahr nach den rassistischen Beleidigungen beim Fußball-Regionalligaspiel zwischen Blau-Weiß Lohne und Phönix Lübeck (0:0) wird einem Tatverdächtigen nun ein Strafbefehl zugestellt. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Oldenburg, die in der Sache ermittelt hatte. Das Verfahren gegen einen zweiten Verdächtigen sei dagegen eingestellt worden. Es hätten keine Beweise ermittelt werden können.

Am 2. September 2023 hatte es bei der Partie im Heinz-Dettmer-Stadion von Lohne (Kreis Vechta) rassistische Beleidigungen aus dem Publikum heraus gegeben. Die hatten vermutlich Lübecks Trainer Christiano Adigo gegolten, der dies nach dem Spiel in der Pressekonferenz auch auf sehr emotionale Weise thematisiert hatte. Der Verein Blau-Weiß Lohne hatte sich von den Vorfällen distanziert. „Solche Sachen haben in der Gesellschaft und im Fußball in Lohne nichts zu suchen“, hatte Lohnes Trainer Uwe Möhrle bereits direkt nach dem Spiel erklärt.

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Lars Blancke Wolfgang Wittig
Oldenburg

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg nahm kurz danach Ermittlungen auf. Diese seien aber nicht, wie sie jetzt mitteilte, auf einen dafür nötigen Strafantrag des Lübecker Trainers hin erfolgt. Vielmehr habe eine andere Person, die in der Nähe stand und sich von den Beleidigungen verunglimpft gefühlt hatte, den Strafantrag gestellt. Nur deshalb habe die Staatsanwaltschaft ermitteln können. Zur Erklärung: Nur, wenn sich jemand durch eine Äußerung beleidigt fühlt und genau diese Person einen Strafantrag stellt, wird auch ermittelt. Bei anderen Delikten, beispielsweise der Körperverletzung, kann auch auf eine einfache Anzeige einer anderen Person hin ermittelt werden. Vom Gästetrainer habe es aber keinen entsprechenden (und nötigen) Strafantrag gegeben. Warum Adigo das nicht tat, ist offen.

Dem ermittelten (und vernommenen) Tatverdächtigen wird nun ein Strafbefehl zustellt. Akzeptiert er diesen und zahlt die darin vorgesehene Geldstrafe, ist der Fall abgeschlossen. Akzeptiert er den Strafbefehl nicht, würde es wohl zu einem Gerichtsverfahren kommen.

Phönix Lübeck und der 51-jährige Adigo durchleben eine ereignisreiche Saison. Der Trainer hatte ab Mitte September vergangenen Jahres krankheitsbedingt eine mehrwöchige Pause einlegen müssen. Ein Zusammenhang zwischen seiner Erkrankung und den Ereignissen von Lohne ist nicht bekannt. Seit November steht Adigo bei Phönix wieder an der Seitenlinie. Seine Mannschaft spielt äußerst erfolgreich und belegt derzeit mit 48 Punkten den zweiten Platz hinter Tabellenführer Hannover 96 II (57). Die Lübecker haben aber noch vier Spiele mehr auszutragen als Hannover und könnten – die entsprechenden Siege vorausgesetzt – noch an den 96ern vorbeiziehen.

Hauke Richters
Hauke Richters Sportredaktion (Leitung)