Rastede - Torsten Schmidt ist entspannt. „Es läuft alles gut, die Gäste halten sich an die Corona-Regeln, der Landkreis war gerade hier und hatte nichts zu beanstanden“, zieht der Organisationsleiter des Oldenburger Landesturniers in Rastede am Ende des ersten Tages Bilanz. Nach 16 Monaten coronabedingter Ruhepause bildet das Turnier den Auftakt zur Veranstaltungssaison 2021. Mit Hochdruck hatte Schmidts Team in den vergangenen Wochen neben den üblichen Arbeiten auch ein ausgeklügeltes Hygienekonzept umgesetzt – und immer wieder den aktuellen Zahlen angepasst. Ganz kurzfristig durfte das Kartenkontingent um 500 Eintrittskarten pro Tag aufgestockt werden. Möglich war dies auch deshalb, weil zusätzliche Sitzmöglichkeiten geschaffen wurden. „Uns war es wichtig, möglichst viele Sitzplätze zu schaffen, damit die Zuschauer die Maske absetzen können“, so Schmidt.
Ein besonderer Spirit
Auf dem Platz sei ein besonderer Spirit zu spüren, schwärmt der Organisationsleiter. „Endlich ist hier wieder Leben.“ Rund 700 Reiter werden bis zu diesem Sonntag erwartet, 2500 Zuschauer dürfen pro Tag aufs Gelände – in normalen Zeiten kommen in den sechs Tagen insgesamt 25 000 Besucher und mehr.
Pferde und Reiter werden in diesem Jahr optimale Platzverhältnisse vorfinden: Der Abreiteplatz Dressur hat eine neue Drainage bekommen, die Tretschichten, die nach einem Jahr ohne Betrieb Unkraut angesetzt hatten, sind vollständig gesiebt und neu aufbereitet worden. Dasselbe gilt auch für das Dressurfeld. Entsprechend positiv ist auch die Stimmung unter den Sportlern. „Wir freuen uns, dass das Turnier in diesem Jahr wieder stattfinden kann, auch für die Kleinen“, sagt etwa Antje Seeberger. „Meine Tochter hat in diesem Jahr zum letzten Mal die Chance auf die Talentsichtung – es wäre schade gewesen, wenn das Turnier wieder ausgefallen wäre“, erzählt die Mutter einer anderen Teilnehmerin. Gut organisiert – das ist der Tenor, der überwiegt. Dass weniger Aussteller vertreten sind, auch die Gastronomie reduziert ist, dafür haben die meisten Besucher Verständnis.
Hier und da klingt Unmut darüber an, dass die Pferdebesitzer nicht wie sonst an allen Turniertagen automatisch auf den Platz dürfen. Auch in den sozialen Medien war dies bereits thematisiert worden. Insgesamt sei alles gut organisiert, „aber dieser Punkt ist leider nicht gut kommuniziert worden“, finden beispielsweise Elisa Becker und Marie Sybel. „Jedes Besitzerband hätte einen Platz weniger für einen anderen Besucher bedeutet“, wirbt Schmidt um Verständnis, dass die reduzierte Kartenanzahl diese Maßnahme nötig gemacht habe.
Greift das Konzept?
Gilt in anderen Jahren das Wetter als größter Unsicherheitsfaktor, kreist beim 72. Landesturnier (fast) alles um die Frage: Greift das Hygienekonzept? Es gibt eine Einbahnstraßenregelung, die Laufwege des Publikums zum Turnierplatz wurden nachvollzogen, um jedem Gast Zutritt zum Testcenter zu ermöglichen. Absperrzäune wurden entsprechend versetzt, damit niemand ohne Registrierung auf den Platz kommt. Durch Corona entstehen neue Begriffe wie „Eventclearing-Pagode“. Hier müssen sich die Sportler anmelden. „Wir sind uns der Verantwortung absolut bewusst – das macht jede Entscheidung zu einer Gratwanderung“, sagt Schmidt. Ob das Konzept greift und die Besucherzahlen für weitere Veranstaltungen noch erhöht werden können, wird sich erst in der Bilanz zeigen. Oder, wie Torsten Schmidt es nennt: „Die Peitsche knallt am Ende.“
