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Coronakrise Trifft Reiter Landesturnier in Rastede ringt um Ausweichtermin

Otto-Ulrich Bals

Rastede/Oldenburg - Auf der Homepage springt die Ankündigung ins Auge – noch! Mit der Schlagzeile „Willkommen zum 72. Oldenburger Landesturnier vom 21. bis 26. Juli 2020“ wirbt der Renn- und Reitverein (RURV) Rastede für die Pferdesport-Traditionsveranstaltung. Seit Mittwochabend nun ist klar, dass nach der Vorgabe der Bundesregierung die Durchführung von sämtlichen Großveranstaltungen bis zum 31. August untersagt ist. Was heißt das für die einmalige Pferdeschau im Rasteder Schlosspark?

20 000 Besucher

Die Zahlen des Landesturniers, das seit 1949 noch nicht einmal ausgefallen ist, sprechen für sich: Mehr als 20 000 Besucher in sechs Tagen, 4000 reservierte Startplätze, 2500 Pferde (fast die Hälfte davon aus dem Oldenburger Zuchtgebiet) und 900 Aktive, darunter Repräsentanten von rund 70 Vereinen aus dem Oldenburger Land, stehen Jahr für Jahr für ein sportliches Ereignis der Extra-Klasse. Auch in diesem Jahr hatten die Veranstalter, der RURV Rastede und der Reiterverband Oldenburg, zusätzlich zu den sportlichen Wettbewerben ein umfangreiches Rahmenprogramm geplant.

„Ohne Wenn und Aber: Rastede ist eine Großveranstaltung“, sagt Michael George, Präsident des Oldenburger Reiterverbandes. Der Juli-Termin ist also nicht mehr zu halten. Mit seinen Mitstreitern und seinem Turnierleiter-Kollegen Jan-Christoph Egerer wird George bereits an diesem Freitag zusammenkommen, um über die nahe Zukunft des Landesturniers zu beraten. „Wir werden jetzt in aller Ruhe alle Aspekte dieses kultur-historischen Leuchtturms prüfen. Einen Schnellschuss wird es nicht geben, gleichwohl wollen wir eine zeitnahe Entscheidung treffen“, sagt Organisationschef Torsten Schmidt, den die Corona-Pandemie seit März umtreibt und der einräumt: „Nach der Ansage der Bundeskanzlerin hatte ich eine schlaflose Nacht.“

Denn die Verantwortlichen in Rastede hatten insgeheim einen Ausweichtermin im August ins Auge gefasst. Nun ist dieser Monat gestrichen. Da sich auch die Großturniere CHIO in Aachen, das Hamburger Derby und die deutschen Meisterschaften in Balve bereits den September als Ausweichmonat ausgeguckt hatten, ist die Suche nach einem Zeitfenster für eine sechstägige Mammutveranstaltung in dieser Zeit nahezu ausgeschlossen. „So viele Wochenenden gibt es im September gar nicht“, sagt George. Und so stellt sich die Frage: „Wohin mit dem Landesturnier?“

OK-Chef Schmidt wollte im Gespräch mit der NWZ der Sitzung der Turnierleitung zwar nicht vorgreifen, betonte aber, die Veranstaltung auf keinen Fall auf Biegen und Brechen „durchhauen“ zu wollen. Dazu sei einerseits die Bedeutung des Landesturniers für die Reiterei im Oldenburger Land zu bedenken und andererseits die Verantwortung aller Beteiligten gegenüber der Gesellschaft zu berücksichtigen.

Mehrere Varianten

Vor diesem Hintergrund dürften diverse Turnier-Varianten diskutiert werden. „Das alles tut mir persönlich richtig weh, und ich wünsche mir, dass wir ein Zeitfenster finden. Ich weiß aus vielen Gesprächen, dass die Züchter, Reiter und Reiterinnen im wahrsten Sinne des Wortes mit den Hufen scharren“, sagt George, der ebenfalls einen besonnenen und verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema ankündigt.

Noch ist das Landesturnier 2020 nicht abgesagt. Denkbar wäre eine Verschiebung, wenn noch ein freier Termin in diesem Jahr in Rastede gefunden werden kann. Zudem müssen die Organisatoren über den Umfang des Programms nachdenken. Eine Veranstaltung mit mehr als 100 Prüfungen (wie in den Jahren zuvor) wird es wohl nicht geben können.

„Das sehe ich auch so“, sagt Reiterpräsident George. Gleichwohl ist er der Ansicht: „Rastede als Marke muss erkennbar bleiben.“ So sollte es in jedem Fall eine Veranstaltung werden mit dem Großen Preis, einer Dressur-Tour, den Prüfungen für die jungen Pferde und selbstredend der Ausrichtung der Landesmeisterschaften. Die Qualifikationen für das Bundeschampionat sind ohnehin schon weggefallen, auch auf andere nicht so wichtige Prüfungen müsste verzichtet werden.

Große Aufgaben

„Ich fange jetzt buchstäblich wieder bei Null an“, sagt OK-Chef Schmidt. Unzählige Gespräche stünden nun an – mit der Gemeinde, den Sponsoren, den Reitern, den Züchtern, den Parcoursbauern, den Richtern, und, und, und. Die Reiterei steht aktuell ohnehin vor großen Aufgaben. Vielen Profiställen ist ein großer Teil der Einnahmen weggebrochen. Der Sport, die Zucht und der Verkauf gelten als wesentliche Standbeine.

Einzig die Zucht ist von der Corona-Pandemie am wenigsten betroffen. „Sie macht vielerorts aber nur 20 Prozent des Geschäfts aus“, weiß die sechsmalige Dressur-Olympiasiegerin Isabell Werth, die im niederrheinischen Rheinberg einen Ausbildungsbetrieb und Turnierstall betreibt.

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