Oldenburg - Der gebürtige Oldenburger Boris Herrmann hat bei der Erdumseglungs-Regatta Vendée Globe härteste Herausforderungen bestanden. In 80 Tagen, also in weniger als drei Monaten, umrundete er im Winter 2020/21 allein und ohne Zwischenstopp die Erde. Doch es geht noch eine Spur härter – andere würden sagen verrückter: Am 4. September startet an der französischen Atlantikküste in Les Sables d’Olonne (der Ort war auch Start- und Zielpunkt der Vendée Globe) das sogenannte Golden Globe Race. Auch bei diesem Rennen ist die Erde einmal allein und ohne Zwischenstopp zu umrunden.
Im Gegensatz zur alle vier Jahre stattfindenden Vendée Globe sind bei dieser Regatta aber so gut wie keine elektronischen Hilfsmittel erlaubt. 17 Segler und eine Seglerin aus elf Nationen bereiten sich derzeit auf das große Abenteuer vor, aus Deutschland ist kein Starter dabei.
Eine Frau ist dabei
Die größte Gruppe stellt Großbritannien, wo vier Teilnehmer herkommen. Die einzige Frau im Feld, Kirsten Neuschäfer, ist Südafrikanerin. Die Boote sind zwischen 32 und 36 Fuß lang (9,75 - 10,97 Meter) und damit deutlich kleiner als die Yachten von Herrmann und Co., die jeweils 60 Fuß (18,3 Meter) messen.
Grafik: MedienGrafikSchmiede
„Das Rennen ist eine einzigartige Herausforderung“, sagt der Regatta-Vorsitzende Don McIntyre: „Ich hoffe, dass viele Seglerinnen und Segler dabei ihre Träume verwirklichen können.“
Bei der Vendée Globe wurden elektronische Hilfsmittel vor allem für die Sammlung und Auswertung von Wetterdaten genutzt. Zudem simulierten die Teilnehmer an Bord am Rechner, welche Route durch welches Gebiet wie viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Das entfällt größtenteils beim Golden Globe Race. Die Planung wird überwiegend mit Hilfe von Sextant, Kompass und Karten auf Papier vollzogen. Kontakt zur Außenwelt darf aber über Funk gehalten werden. Auch dürfen die Segler telefonieren, dabei aber keine Ratschläge in Sachen Navigation erhalten. Außerdem haben die Boote Geräte dabei, mit denen ihre Position an die Regattaleitung übermittelt wird. Auch haben die Boote – aus Sicherheitsgründen – Positionslichter.
Der Verzicht auf Hilfsmittel kostet Zeit. Bei der Vendée Globe 2020/21 kam der Sieger, der Franzose Yannick Bestaven, nach 80 Tagen und drei Stunden ins Ziel (Herrmann belegte nach 80 Tagen und 14 Stunden den fünften Platz).
212 Tage lang unterwegs
Bei der vergangenen Auflage des Golden Globe Race 2018/19 benötigte der Sieger, der Franzose Jean-Luc van den Heede, 212 Tage, also rund sieben Monate. Hoch war bei der Auflage auch die Ausfallquote: Von 17 Startern erreichten nur fünf das Ziel, die übrigen mussten aufgeben. Mit dem Rennen vor vier Jahren wurde – mit großem zeitlichen Abstand – an eine andere Regatta angeknüpft. 1968 hatten neun Teilnehmer eine Erdumseglung gestartet. Lediglich ein Segler davon kam ins Ziel.
