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NWZonline.de Sport

Nwz-Kolumne Von Okka Gundel: Was eine Torschützin und eine wartende Mutter gemein haben

28.06.2019
Moderatorin Okka Gundel (WDR/ Sachs)

Es ist der Moment, nach dem man sich so lange gesehnt hat. Ein Tor bei einer WM. Der Traum, die Sehnsucht, das Streben eines jeden Fußballers, einer jeden Fußballerin. Ein Moment der Ekstase, der Erleichterung, der Emotion, der Eruption. Vielleicht hat sich jemand, dem dies gelingt, durch diesen einen Schuss einen Traum verwirklicht.

Wie schade, dass der Traum, ein WM-Tor zu schießen, in Frankreich ein bisschen zu einem Albtraum mutiert ist. Schuld sind der Videoassistent und das Regelwerk. Wer bei der Frauen-WM ein Tor schießt, reißt mittlerweile nicht mehr automatisch seine Arme in die Höhe, sondern schaut in einer ersten ungläubigen Reaktion verängstigt zum Schieds- oder Linienrichter. Ein Torschütze ist nicht mehr Täter, sondern Opfer. Opfer der Technik und Opfer der Regel, bei der bei Abseits dennoch erstmal bis zum Schluss und bis zum (Tor)schuss weitergespielt wird. Die Angst schießt mit. Die Angst, dass es eventuell, vielleicht, bestimmt doch kein Tor sein könnte.

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Mir tun die Torschützen leid. Sie werden regelrecht ausgebremst. Ich stelle mir es ein bisschen so vor: Man hat sein eigenes kleines Kind einige Tage nicht gesehen. Man sieht sich von Weitem. Das Kind rennt voller Vorfreude lachend auf einen zu und ganz kurz, bevor man sich in die Arme schließen will, ruft jemand: „Stopp!“. Bis hierhin und nicht weiter. Drei bis vier Minuten steht man voreinander und muss warten. Und dann gibt es einen Pfiff, der bedeutet: Sie dürfen ihr Kind jetzt umarmen, respektive, sie dürfen ihr Tor jetzt bejubeln. Oder eben nicht. Es ist anorganisch, was dort passiert bei der Frauen-WM in Frankreich. Und schade ist es. Der Sport lebt von seinen Emotionen, von seiner Spontaneität. Der Sport lebt von seinen Menschen. Und der Sport lebt auch von seinen Fehlentscheidungen. Der Videoassistent ist wie ein Tranquilizer. Er lähmt! Nicht jede Entwicklung ist gut.

Natürlich ist Fußball heutzutage mehr als nur ein Spiel. Fußball ist eine Wissenschaft. Fußball ist Statistik. Schauen wir auf die sogenannten „Expected Goals“, die Einzug in unser Fußballleben gehalten haben. Da geht es um die Wahrscheinlichkeit, von welcher Position in welcher Situation ein Tor erzielt wird. Die Quote der „Expected Goals“, also der erwarteten Tore, bei einem Elfmeter ist hoch. 75 Prozent aller Elfer finden den Weg in das Tor. Das ist viel und definitiv höher als die Wahrscheinlichkeit, aus dem Spiel heraus ein Tor zu erzielen. Aus Effektivitätsgründen würde es also Sinn ergeben, den Schuss nicht auf das Tor, sondern zum Beispiel auf die nächste Hand oder den nächsten Arm eines Gegenspielers im Strafraum zu justieren. In der Hoffnung, dass der Schiedsrichter pfeift oder der Videoassistent sich meldet und dann ein Elfer gepfiffen wird. So erhöht man die Chance auf ein Tor.

Absurd, oder? Ich denke, wir müssen aufpassen, dass der Fußball Fußball bleibt. Dass das Spiel ein Spiel bleibt. Dass das Erlebnis ein Erlebnis bleibt. Dass die Leidenschaft eine Leidenschaft bleibt. Mit all ihren Dramen und Unvorhersehbarkeiten, mit ihren Tragödien und Tatsachenentscheidungen. Mein Vorschlag wäre folgender: Jedes Team sollte pro Halbzeit einmal die Möglichkeit haben, eine Entscheidung per Videobeweis überprüfen zu lassen. Und ansonsten sollte die Wahrheit nach bestem Wissen und Gewissen wieder ganz analog durch die Pfeife des Schiedsrichters im Stadion gepustet werden!

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