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NWZonline.de Sport

Reportage-Außendienstler sind ständig von Gefahren umzingelt

09.07.2010

Rolf Töpperwien war, Fernseh-historisch betrachtet, der erste Reporter, der in die Fan-Meute hinein schritt und aus diesem Menschenknäuel heraus berichtete. Den Begriff Fanmeile gab es damals noch nicht. Aber das Bad in der Menge barg schon Risiken. Töpperwien fühlte sich nach einem volksnahen Stimmungsbericht um seine Brieftasche erleichtert.

Auf den modernen Fanmeilen arbeiten die Fans weniger im Verborgenen. Schließlich wollen sie ja ins Fernsehen. Das ist auch für den modernen Außenreporter nicht ungefährlich. Schon 94 Minuten vor Anpfiff des Spanien-Spiels musste in München Markus Othmer höllisch aufpassen, nicht in die Flugbahnen von Bechern mit Bier, Bechern ohne Bier und Bier ohne Becher zu geraten. Später hätte ihn auch eine heftig geschwungene Fahne mit ihrem Holzstiel erschlagen oder mit ihrem mächtigen Tuch ersticken können.

Zu fürchten sind auch Hörschäden. Jene Fans, die sich bis zum Reporter durchgerobbt haben, krakeelen oder tröten, dass man sie auch ohne Mikrofon überall akustisch wahrnehmen würde. Misstrauische bringen gleich ihr Megafon mit. Der Stöpsel im Ohr nutzt Othmer in München oder Sarah Beckmann in Berlin im Ernstfall nichts. Da hören sie nur, wann sie an der Reihe sind zu berichten – oder ob ihre Kündigung nun endgültig ausgesprochen wird.

Mal ehrlich: Was müssen Reporter im Dienst alles verbockt haben, ehe sie auf Fanmeilen geschickt werden? Es kann sich nur um eine letzte Bewährungschance handeln. Der Nachrichtenwert der Schaltungen nach Hamburg (70  000 Fans), Dortmund (16  000), München (50  000) oder Berlin (350  000) geht gegen Null. In Frankfurt singen 17  000 „So seh’n Sieger aus.“ In der Balver Höhle im Sauerland sind es weit weniger, aber die dröhnen besser. Auf diese Randberichte zu verzichten, traut sich kein Sender.

So erfahren wir also Fakten, die unser Leben enorm bereichern. In Holland wird in Tilburg oder Rotterdam zum Finaleinzug ein deutscher Karnevalsschlager mit niederländischem Text gesungen. Wie pfiffig. Und in Konstanz machen die Fans sogar Werbung für die Lage ihrer Stadt am Bodensee: „Wenn ich den See seh’, brauch ich kein Meer mehr.“ Wie kreativ.

„Fußball“, so hat es einmal der argentinische Meistertrainer Luis Caesar Menotti gesagt, „muss immer eine Mischung aus Ordnung und Abenteuer sein.“ Das ist selbst auf den Fanmeilen zu spüren. So lange Deutschland gewinnt, herrscht Ordnung zwischen Wilhelmshaven und Oberstdorf. „Wahnsinnig toll“ sei die Stimmung in Berlin, gibt Beckmann zu Protokoll. Als diese Ordnung dann hin ist, sind alle „wahnsinnig enttäuscht“. Und vor allem das: „Es hat auch unschöne Szenen gegeben, direkt hier“, sagt sie und schaudert richtig.

Aber könnten ARD, ZDF oder RTL nicht auch mal Reporter von der Fanfront belohnen statt sie zu strafen? Vorschlag: Schickt sie doch in jene heimelige Kneipe in England, in der ein Dutzend älterer Briten vor dem Spiel Deutschland die Daumen drücken und sich fröhlich zuprosten: „Die Deutschen haben unsere Herzen gewonnen.“ Aber die Lokalität geht wohl nicht einmal als Mini-Fanmeile durch. Nicht genehmigt!

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