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NWZonline.de Sport

Herz des toten Kanuslalom-Trainers rettete Leben

26.09.2017
Organspender: Der verstorbene Kanuslalom-Trainer Stefan Henze Bild: Friso Gentsch/dpa

Tränen strömten über das Gesicht von Ivonette Balthazar. Die 67-Jährige hatte gerade bei einem Straßenlauf an der Copacabana die Ziellinie überquert, da wurde sie von ihren Gefühlen übermannt. „In mir schlägt das Herz eines jungen Athleten“, sagte die Brasilianerin überglücklich. Es ist das Herz des bei den Sommerspielen in Rio tödlich verunglückten deutschen Kanuslalom-Trainers Stefan Henze. Seit 13 Monaten schlägt es in ihrer Brust.

Gut ein Jahr nach ihrer Herz-Transplantation nahm Balthazar an einem Drei-Kilometer-Lauf an der berühmten Strandpromenade teil: Kurz vor dem Startschuss hatte sie sich entschlossen zu gehen statt zu laufen. Sie wollte lieber nicht so viel riskieren. Denn für die Seniorin, die vor der Organspende kaum noch sprechen und gehen konnte, war es der erste Test ohne medizinische Überwachung.

Um ihren Hals baumelte ein Pappschild in Herzform mit der Aufschrift „Ich habe ein transplantiertes Herz“. Seit sie das Organ von Henze, dem Olympiazweiten von Athen 2004 bekam, seien der ehemalige Weltklassekanute und sie ein Team der besonderen Art.

Organspenden werden in Brasilien nicht so häufig durchgeführt. Obwohl sie auf Platz eins der Warteliste vorgerückt war, gab es kaum Hoffnung auf eine Rettung. Dann kam der 15. August 2016. Den Tag des für sie erlösenden Anrufes des Nationalen Institutes für Kardiologie feiert die Brasilianerin als ihren zweiten Geburtstag. Es war der Tag, an dem Stefan Henze starb.

Henze hatte das deutsche Kanuslalom-Team als Trainer zu den Spielen nach Rio begleitet. Bei einem Autounfall hatte der 35-Jährige ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten und war drei Tage später gestorben.

Mutter dankbar

Dieser Gedanke treibt Balthazar immer wieder Tränen in die Augen. Jeden Tag, an dem sie sich mit ihrem Mann, ihren Kindern und Enkeln über ihr geschenktes Leben freut, „weint eine andere Familie“. Balthazar würde zu gerne die Mutter ihres Lebensretters kennenlernen, um sie „zu umarmen und ihr zu danken“.

Nach seinem Tod hatte Henzes Familie der Organspende des erfolgreichen Slalom-Kanuten zugestimmt und neben dem Herz auch die Leber und beide Nieren freigegeben.

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