RODENKIRCHEN - Sie nennen sich „Ahnungslose Maurer“ – abgekürzt AML – und mittlerweile gibt es 144 von ihnen in ganz Deutschland. Die Keimzelle: eine Wohnung in Rodenkirchen. Auf dem Computer von Holger Stolle laufen die Fäden zusammen. Hier schägt das Herz der AML, einer Fußball-Tippgemeinschaft, die sich vor fünf Jahren gegründet hat und mittlerweile wie eine Lawine über die Republik gerollt ist. Zwar kommt das Gros der „Ahnungslosen Maurer“ aus der Wesermarsch, aber inzwischen gibt es kaum ein Bundesland, in dem nicht irgendwo ein AML-Tipper sitzt und seine Fußball-Vorhersagen per Internet in Richtung Rodenkirchen schickt.

„Ahnungslose Maurer“? Wie ist es eigentlich zu diesem merkwürdigen Namen gekommen? Holger Stolle weiß die Antwort: Schon länger gibt es Tippclubs in Rodenkirchen: die „Maurer“ seit 30 Jahren, die „Ahnungslosen“ seit 20 Jahren. Holger Stolle gehört beiden Tipp-Gemeinschaften an. Da war die Namensgebung naheliegend, als er die neue Internet-Tippliga im Jahre 2002 aus der Taufe hob.

Gemeinsam mit Bodo Meyer schlägt er sich so manche Stunde um die Ohren, um die AML am Laufen zu halten. 18 Tipper waren es am Anfang, die gegeneinander spielten und ihren Sieger ermittelten. Inzwischen gibt es acht Klassen. „Wir haben viel Werbung gemacht, auf dem Rodenkircher Markt zum Beispiel. Außerdem haben wir Handzettel in Kneipen ausgelegt.“ So ist die AML-Gemeinschaft nach und nach immer größer geworden. Holger Stolle weiß nicht mehr, wie oft er gesagt hat: Jetzt reicht’s. Aber angesichts der gewaltigen Nachfrage wurde er immer wieder weich. Bis jetzt. „Mann soll zwar nie Nie sagen“, weiß Holger Stolle. „Aber jetzt“, sagt er, „reicht’s wirklich“. Eine Warteliste gibt es nicht mehr. Wenn tatsächlich mal ein Tipper aussteigt, dauert es in der Regel keine zwei Tage, bis der Platz neu besetzt ist.

Natürlich ist das Ganze mit viel Arbeit verbunden. Das Liga-System ist exakt so aufgebaut wie in der Fußball-Wirklichkeit. Es gibt Meister, Auf- und Absteiger. Es gibt den Pokalwettbewerb. Auch bei Welt- und Europameisterschaft wird getippt. Inzwischen gibt es sogar das Pendant zur Champions-League und zum Uefa-Pokal. Dazu haben sich die „Ahnunglosen Maurer“ mit vier weiteren Tippligen in ganz Deutschland zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen. Ein enormer Aufwand für Holger Stolle und Bodo Meyer.

Geld gibt es nicht zu gewinnen. Nach der Saison bekommen die Sieger der einzelnen Klassen einen Wanderpokal und eine Urkunde. Das war’s, „und das ist gut so“, sagt Holger Stolle. Denn es geht um den Spaß und um nichts anderes. Das wird allein an den Namen deutlich, die sich die Tipper gegeben haben. Da gibt es zum Beispiel „Ölfuß“, der in der abgelaufenen Saison Pokalsieger geworden ist. Da tummeln sich „Hennes, der Weise“, „Klobürste 00“, „Fietenpaul“, „Powerfux“ und „Tanga“ in den Niederungen der AML. Und ob Liga 1 oder 4d – alle fiebern sie an den Bundesliga-Spieltagen mit und drücken ihren Favoriten die Daumen.

Die AML im Internet unter www.ahnungslose-maurer.de

AML-Gemeinschaft ist von Jahr zu Jahr

größer geworden