Leverkusen - Roger Schmidt wird im Sommer Trainer des Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen. Das gab der Tabellenvierte am Freitag bekannt.
Der 47 Jahre alte Schmidt trainiert derzeit den österreichischen Meister RB Salzburg und hatte eigentlich noch einen Vertrag bis 2016. Für denselben Zeitraum unterschrieb er nun bei Bayer. Seine Ablösesumme soll auf 1,5 Millionen Euro festgeschrieben sein. Auch Leverkusens Liga-Rivale Eintracht Frankfurt hatte zuletzt heftig um den 47-Jährigen geworben.
Ob Schmidt mit Bayer in der Champions League oder der Europa League antreten wird, entscheidet sich zu einem wesentlichen Teil am Samstag. Denn zunächst soll Interimscoach Sascha Lewandowski die Rheinländer in die Königsklasse führen. Rang vier hat Bayer unter seinem Interimstrainer schon zurückerobert, sollte dieser im Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund (18.30/Sky) weiter gehalten werden, stehen die Chancen bestens. Eine zunächst grandiose und dann plötzliche schlimme Saison von Bayer wäre gerettet.
Viele Medien und Fans hatten deshalb unter der Woche gefordert, dass Bayer seine Trainersuche für die kommende Saison einstellen und Lewandowski nachhaltig zum Chef befördern soll - eine überraschende Entwicklung, nachdem der 42-Jährige am Ende der vergangenen Saison als „Cheffchen“ verspottet und von der Vereinsführung aus dem Duo mit Sami Hyypiä abgezogen worden war.
Wahrscheinlich dachte Lewandowski auch daran, wenn er immer wieder beteuerte, dass er eine Grundsatzentscheidung getroffen habe, „nicht dauerhaft in der Bundesliga“ arbeiten zu wollen. Zu den Zweifeln am Profigeschäft („Ich kann zwar mit der Öffentlichkeit umgehen, ich genieße sie aber nicht“) kommt die Tatsache, dass Bayer unter Lewandowski dessen Verantwortungsbereich komplett umgekrempelt hat. Die Leverkusener waren es, die die Abschaffung der U23-Pflicht für die Profivereine durchgesetzt haben, ihr Regionalligateam melden sie konsequent ab.
Das neue Konzept mit stärkerer Konzentration auf die U19 und die U17 ist so etwas wie Lewandowskis Baby. „Diese Aufgabe ist als Langzeitprojekt angelegt, und dieser Verantwortung will ich gerecht werden. Da gibt es noch einiges für mich zu tun“, betonte er: „Auf diese Weise werde ich auch mit dem zukünftigen Cheftrainer eng zusammenarbeiten und ihn in jeder Hinsicht unterstützen.“
Ob Lewandowski gegen Dortmund der dritte Sieg im dritten Spiel nach seiner Rückkehr zu den Profis gelingt, erscheint aber fraglich. Der BVB hat keines der sechs Spiele unter Trainer Jürgen Klopp in Leverkusen verloren und ist auch aktuell die Mannschaft der Stunde. Die Borussen sind seit acht Pflichtspielen ungeschlagen, gewannen davon sieben. Der in Topform befindliche Marco Reus war in den letzten sechs Partien acht Mal erfolgreich.
Das direkte Champions-League-Ticket hat die Borussia schon sicher. Ein weiterer Erfolg in Leverkusen würde auch die Vizemeisterschaft gegen Erzrivale Schalke 04 absichern. Noch wichtiger: Der BVB will - wohl auch mit Bayern München als mahnendem Beispiel - bis zum Pokalfinale am 17. Mai gegen den Triple-Gewinner nicht den Rhythmus verlieren. „Wir haben nicht das Gefühl, das irgendwas vorbei wäre“, betonte Klopp. Bis zum Endspiel seien noch neun Bundesliga-Punkte zu vergeben: „Und ehrlich gesagt fallen mir nicht viele Gründe ein, warum wir nicht versuchen sollten, alle neun auch zu holen.“
