Oldenburg - Hach, was war das wunderbar. Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land. Traumhaftes Wetter. Überall Fähnchen, nicht nur deutsche, auch die anderer Teilnehmernationen. Unzählige Fanfeste in den WM-Städten und beim Public Viewing. Ich war für Premiere bei 18 Spielen im Einsatz und habe Partystimmung ohne Ende in den Innenstädten erlebt, ob die Niederländer in Leipzig oder die Engländer in Gelsenkirchen. Egal wo, es war eine fantastische Stimmung.

Das Sommermärchen wird uns allen in Erinnerung bleiben. Daran ändert auch nichts, dass sich im Nachhinein die Ausrichtung als gekauft herausstellte. Von Bestechung und Korruption habe ich damals nichts geahnt und gewusst. Es ist aber ein Wermutstropfen, der in der Folgezeit auch zur näheren Beschäftigung mit der Thematik der WM-Vergaben führte.

Wenn auch nicht so stark, so war doch auch 2010 (in Südafrika) und 2014 (in Brasilien) das Fußballfieber in Deutschland noch recht hoch. Kritik gab es nur sporadisch wegen der hohen Kosten und weil die Ausrichterländer kaum etwas von den immensen Ausgaben hatten. Profitiert hatte nur die Fifa und deren Verbände. Auf die Einnahmen musste sie nicht mal Steuern zahlen. Das ist bis heute so. Nur mal so, sie kassiert in Katar über sieben Milliarden Dollar. Schon die WM in Russland zeigte, dass die Begeisterung und Leidenschaft nicht mehr den Pegel voriger Events erreichten, was sicher nicht nur am desaströsen Abschneiden unserer Mannschaft lag.

Und nun? Läuft man durch die Straßen, selbst mit wachen Augen, fragt man sich: Ist was? Von irgendwelchen Fähnchen oder sonstigen WM-Utensilien ist nichts, rein gar nichts zu sehen. Und gibt es Gespräche mit Freunden und Bekannten über das Sportliche? Fehlanzeige. Dafür umso mehr Aufregung und Kritik bis Wut über das, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: Menschenrechte. Dazu geht es um verkappte Regenbogenbinden, „Love“ auf Trikots, Einschränkungen der Medienarbeit und andere nicht zu akzeptierende Vorstellungen der Fifa und Katarer. Darum geht es Zuhause, in Kneipen, im Netz und sozialen Medien.

Der Profi-Fußball auf dem besten Wege, sich immer mehr ins Abseits zu schießen. Korruption, Bestechung, horrende TV-Gelder und Ablösesummen, immer neue Wettbewerbe. Geld ist das Maß der Fifa und der anderen Verbände. Von Demut und Maßhalten in Pandemiezeiten keine Spur mehr.

Ich gucke die WM nicht, auch nicht die Spiele unserer Nationalmannschaft. Meine Begeisterung und Leidenschaft passen sich den derzeitigen Temperaturen an. Daran ändern auch Glühwein und Berliner auf dem Weihnachtsmarkt nichts. Ja, die Ergebnisse sehe ich online oder in den Zeitungen. Ansonsten ist mir das Sportliche völlig egal.

Ich hoffe nur, dass sich meine Stimmung bis 2024, der Europameisterschaft im eigenen Land, wieder aufhellt und ich beim Spaziergang durch die Stadt wieder sehe, dass ein Fußball-Großereignis stattfindet. Es wird dann ja auch Sommer sein und Public Viewing mit Bier und Bratwurst. Vielleicht ja auch ein neues Sommermärchen.