ROTTERDAM - Immer wieder muss Carl Hester in Rotterdam die Geschichte vom neuen Wunderpferd der Dressurszene erzählen. Und er tut es gern. Die Story ist ja auch wirklich zu amüsant und fast zu schön, um wahr zu sein: Der Brite darf den Hengst mit dem schönen Namen Uthopia nur deshalb reiten, weil die Besitzerin in kürzester Zeit dreifache Mutter wurde.
Gott sei Dank ist sie eine gute Katholikin und kriegt ein Kind nach dem anderen, witzelte der britische Reiter, der mit Uthopia bei der EM Team-Gold gewann und an diesem Wochenende zwei weitere Titel gewinnen kann.
Er war ein Familienpferd, jetzt ist er ein Superstar, sagte der 44-jährige Brite über den dunkelbraunen Hengst, der auch die schweren Lektionen leicht aussehen lässt. Bisher galt allein Totilas als Wunderpferd, das nach dem Millionen-Kauf durch Paul Schockemöhle ein ungeahntes Interesse an der Dressur auslöste. Aber nur zehn Monate nach dem Transfer-Coup ist Totilas mit Matthias Rath im Sattel erstmals klar geschlagen: Hester führte die Briten mit Uthopia zum ersten EM-Sieg. Totilas hat jetzt eine mindestens ebenbürtige Konkurrenz. Die sind schon in einer Liga, kommentierte Schockemöhle, der für Totilas geschätzte zehn Millionen an einen Niederländer überwies und nun über Uthopia sagte: Der ist mir eigentlich zu klein, aber er ist ein tolles Pferd, keine Frage.
Hester kaufte das Pferd ebenfalls in den Niederlanden, für angeblich 150 000 Euro. Inzwischen ist der Wert explodiert und dürfte ungefähr das zwanzigfache betragen. Die Leute rufen jeden Tag an, sagte Hester: Es werden immer mehr.
Schockemöhle war bisher noch nicht dabei.
