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Oldenburger bei der Transatlantikregatta Boris Herrmann gibt Einblicke in das Seelenleben eines Solo-Seglers

Das gibt’s nicht in jeder Sportart: Boris Herrmann gab am Freitag während der Solo-Transatlantikregatta Route du Rhum eine digitale Pressekonferenz.

Das gibt’s nicht in jeder Sportart: Boris Herrmann gab am Freitag während der Solo-Transatlantikregatta Route du Rhum eine digitale Pressekonferenz.

Screenshot

Atlantik/Oldenburg - Boris Herrmann gab erstmal Entwarnung. „Mir geht’s gut, und mit dem Rückstand komme ich gut klar“, sagte der aus Oldenburg stammende Segler am Freitagvormittag bei einer digitalen Pressekonferenz, bei der er von Bord seiner ganz neuen Imoca-Yacht „Seaexplorer“ mitten in der laufenden Regatta Route du Rhum zugeschaltet war. Aufmerksame Verfolger des 41-Jährigen hatten nämlich bemerkt, dass er beim Solo-Transatlantikrennen Mitte dieser Woche nur sehr langsam durch den Atlantischen Ozean segelte und einige Plätze verlor. Anfang der Woche war er noch an den Top Ten dran, inzwischen ist der aus den Top 22 rausgefallen, am Freitagmittag war er 24. von 34 Imoca-Yachten.

Boris Herrmann (mit Kappe) und sein Team im Training auf der „Seaexplorer“

BORIS HERRMANN BEI ROUTE DU RHUM Oldenburger lernt Boot unter brutalen Bedingungen kennen

Mathias Freese
Saint-Malo

Defensives Ziel

Für den ein oder anderen mag das angesichts seines fünften Platzes bei der Weltumsegelungsregatta Vendée Globe im Winter 2020/21 enttäuschend sein, doch Herrmann hat „seinen Frieden damit gemacht“. Er hatte das auch ein bisschen vorhergesehen. Für ihn geht es nur darum, ins Ziel zu kommen. „Für mich ist es eine Entdeckungsfahrt mit dem Schiff, solange ich heile ankomme mit dem Schiff ist alles gut“, sagte Herrmann am Freitag.

Riskante Route

Natürlich schippert der Oldenburger Skipper aber nicht nur so herum. „Wir wollen natürlich gut segeln, ich bin auch im Rennmodus“, betonte er. Er habe allerdings bei der Routenwahl einige riskante Entscheidungen getroffen. Und die hatten es in sich: 30 Stunden lang Flaute mit höchstens mal vier Knoten Wind. Doch das ist auch eine gute Nachricht, denn: „Die Position hat nichts mit der Performance des Bootes zu tun – sondern mit der Routenwahl.“

Bereit für die erste große Regatta seit der Vendée Globe 2020: Boris Herrmann auf der neuen „Seaexplorer“

OLDENBURGER SEGELT BEI ROUTE DU RHUM Herrmanns Härtetest führt allein über den Atlantik

Mathias Freese
Oldenburg

Auch einige Konkurrenten wählten wie Herrmann eine etwas südlichere Route und mussten gezwungenermaßen einen Tag Ruhe einlegen, die Führungsgruppe um die fast gleichauf liegenden starken Franzosen Thomas Ruyant und Charlie Dalin blieb etwas nördlicher und hat bereits mehr als 700 Seemeilen Vorsprung auf Herrmann. Bis ins Ziel auf der Karibikinsel Guadeloupe sind es für sie nur noch gut 1000 Seemeilen.

Wechselnder Wind

Für Herrmann ist es noch etwas mehr, vier Tage sei er noch unterwegs, schätzt er. Der Wind hat wieder zugenommen. „Als er wieder anfing, war es wunderschön“, offenbart der Oldenburger, der am Mittwoch vergangener Woche im französischen Saint-Malo in die Route du Rhum gestartet war und seitdem alleine auf seiner Seaexplorer ist, einen Einblick ins seine Gefühlswelt. Jetzt sei der Wind schon wieder so stark, dass es „ziemlich angespannt“ sei. Und er soll noch zunehmen, bis zu 30 Knoten sagen Herrmanns Modelle voraus. Auch deshalb ist er froh, wenn er angekommen ist. „Der Seegang ist ungewöhnlich hoch, das wird nicht einfach zu segeln.“

Einsamkeits-Paradox

Gerade auch, weil er das neue Boot noch nicht so kennt. „Ich bin noch ein bisschen gestresst, fühle mich noch nicht ganz zu Hause“, sagt Herrmann. Aber der erste Schritt des nötigen Kennenlernens ist gemacht. „Ich fahre jetzt 18 Knoten im Schnitt, wenn ich etwas pushe 20 Knoten, und das Boot ist ruhig. Das war mit dem alten nicht möglich. Da ist mein Kopf oft fast gegen die Seitenwände gedonnert“, lobt er die höhere Stabilität der neuen „Seaexplorer“ und sagt: „Ich fange an, sie zu mögen.“

Wartet auf den Start: Boris Herrmann

SEGLER AUS OLDENBURG BEI ROUTE DU RHUM Boris Herrmann startet nach Verzögerung in Atlantikregatta

Hauke Richters
Oldenburg

Dennoch freut er sich schon auf das Ocean Race, das im Januar startet – denn da segelt er im Team um die Erde. „Das ist etwas anderes, mit drei anderen guten Seglern auf dem Boot“, betont er. Nicht nur, um die Yacht besser kennenzulernen: „Die Isolierung ist mir diesmal schwerer gefallen. Vielleicht bin ich nicht so der Typ für das alleine sein“, gibt Herrmann zu und meint schmunzelnd: „Etwas paradox: der Einhandsegler, der nicht gern alleine sein mag.“

Mathias Freese
Mathias Freese Sportredaktion
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