Moskau - Dem russischen Sport droht fünf Monate vor den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro ein Debakel. Jeden Tag wird die Liste der Spitzensportler länger, die mit dem seit Jahresanfang verbotenen Präparat Meldonium gedopt haben sollen. Die Tennisspielerin Maria Scharapowa machte mit ihrem Geständnis nur den Anfang, weiter ging es mit dem Eisschnellläufer Pawel Kulischnikow und dem Volleyballer Alexander Markin. Am Mittwoch reihten sich drei russische Shorttrackerinnen ein; auch Eistanz, Gewichtheben und Radfahren sind betroffen. Zehn Namen sind bislang bekannt.
Dabei muss der russische Leichtathletikverband wegen systematischen Dopings bereits den vollständigen Ausschluss von den Spielen in Rio fürchten. Nun könnte es passieren, dass die stolze Sportnation auch in anderen Disziplinen nur mit einer Rumpfmannschaft antreten darf.
„Wir sehen, wie in dem Dopingskandal ein Sportler nach dem anderen auffliegt, auf dessen Erfolg wir bei den Sommerspielen zählen“, sagte Parlamentsvize Igor Lebedew und forderte eine Sondersitzung des russischen Nationalen Olympischen Komitees. Die Zeitung „Sport-Express“ sieht Russland an einem Scheideweg. „Halten wir Doping tatsächlich für ein Übel und eine Gefahr für die Gesundheit der Nation, die schwerer wiegt als unsere möglichen Siege?“, fragte das Blatt am Mittwoch.
Doch auf höchster Ebene wurden die Ansätze von Selbstkritik sofort gestoppt. Es dürfe nicht sein, dass ein Schatten auf die Leistungen des russischen Sportes falle, sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin, Dmitri Peskow. Es gehe um einzelne Fälle, einzelne Sportler.
