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Hermann Pichert Auf dem Fahrrad quer durch Deutschland

Annette Kellin

Sande - 2140 Kilometer – da tut sich manch einer schon mit dem Auto schwer: Hermann Pichert hat sie mit dem Fahrrad zurückgelegt. Dazu kamen noch 300 Kilometer mit der Bahn. So hat sich der frühere Sander Gemeindedirektor einen langgehegten Wunsch erfüllt: Einmal quer durch Deutschland, umweltfreundlich, ohne Hektik und ganz nah dran an der Natur.

Von seiner langen Tour ist er schon eine Weile wieder zurück in Sande. Und inzwischen „kribbelt“ es ihn erneut : „Es ist nicht ausgeschlossen, dass ich noch mal losfahre“, sagt der 81-Jährige. Ehefrau Brigitte Büsker-Pichert schaut ein wenig bedenklich, schließlich war ihr Mann bei der letzten Tour fast sechs Wochen allein un­terwegs. „Wir hatten aber dank moderner Technik jeden Abend Facetime“, sagt Pichert.

Radfahren für die Pumpe

Das Radfahren hat er erst nach seiner Pensionierung für sich entdeckt. Damals hatte er gesundheitliche Schwierigkeiten – das Herz machte Probleme. „Wenn ich damals nicht den Sport entdeckt hätte und mit dem Radfahren begonnen hätte, würde ich heute nicht mehr leben“, sagt Pichert. Alle zwei Tage ist er unterwegs, radelt mit seinem alten Mountainbike zügig 30 bis 40 Kilometer.

Mit Ehefrau Brigitte hat er schon manch schönen Radwanderweg entdeckt, zum Beispiel den Ems-Radweg. Das war ein Test vor der langen Tour. Für solche Touren sind die beiden mittlerweile aufs E-Bike umgestiegen. „Man muss sich erst umgewöhnen und einfahren, dann aber werden die Touren immer länger“, erzählt der 81-Jährige.

Die Idee zur großen Radtour reifte lange Zeit. Schon zwei bis drei Jahre spielte er mit dem Gedanken. Anfangs war auch noch die Frage, ob seine Frau mitkommen würde. Aber mehr als 2000 Kilometer, das sei ihr denn doch viel zu viel gewesen, sagt sie. Pichert hat neben allerhand Ausrüstung auch an die Gesundheit gedacht: „Natürlich hatte ich Bedenken, schließlich bin ich nicht mehr der Jüngste. Deshalb habe ich zuvor meine Ärzte gefragt“, berichtet er. Die gaben aber grünes Licht und nun ist er mächtig stolz auf seine Leistung.

Der 81-Jährige hatte nur einen verregneten Tag auf der Tour. Es gab keine Panne, alles lief wunderbar. Allerdings habe er auch Kettenpflege betrieben, alle drei oder vier Tage – kein Wunder bei so viel Trockenheit.

Auch wenn er allein unterwegs war: „Einsam fühlte ich mich nie“ sagt er und erzählt von den landschaftlich wunderschönen Flussradwegen entlang der Tauber, der Saar oder der Ruhr, von anspruchsvollen Abschnitten mit Steigung. Und er berichtet von anderen Radlern, die er getroffen hat. „Vielen hilfsbereite und freundlichen Menschen bin ich begegnet“, sagt er.

Zwischendrin besuchte er noch eine Tochter und einen Sohn (das Paar hat insgesamt sieben Kinder) und war froh, ein wenig Gepäck abladen zu können. „Meine Tour war sehr gut geplant, aber trotzdem nimmt man noch viel zu viel mit.“ Rund 30 Kilo Gepäck waren es anfangs – Gewicht, das auch bewegt werden will. Fünf Kilo weniger machten sich schon sehr positiv bemerkbar.

Bis zum Bodensee

Und Pichert berichtet über beeindruckende Sehenswürdigkeiten, unter anderem in Konstanz, dem südlichsten Punkt seiner Reise. Dort besuchte er am Bodensee die Imperia. Und er war in Saarburg, dem Geburtsort seines Vaters, besuchte auch den Hartmannswillerkopf im Elsass, wo eine Gedenkstätte für die Toten des Ersten Weltkriegs eingerichtet wurde.

Genossen hat Hermann Pichert vor allem die Ruhe und die Natur und das Fahrrad als Verkehrsmittel ohne Hektik. Gleichwohl: als er wieder Richtung Friesland kam, war die Freude groß. Und die letzte Übernachtung ließ er ganz einfach ausfallen, um seine Frau einen Tag früher in die Arme schließen zu können. „Sie kam mir am Deich in Höhe Dangast entgegengeradelt. . .“

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