Sande - Auch nach 34 Jahren erinnert sich Sergey Yashin noch gut an den Februar 1988 – schließlich ist der Trainer von Eishockey-Regionalligist ECW Sande (Kreis Friesland) damals in Calgary Olympiasieger geworden. „Das war meine beste Zeit. Olympia ist für alle Sportler enorm wichtig“, sagt der 59-Jährige. Mit der Auswahl der Sowjetunion gewann er in der Vorrunde unter anderem 6:3 gegen die Bundesrepublik Deutschland und 7:5 gegen die USA, in der Finalrunde folgte ein 5:0 gegen Kanada. Das 1:2 gegen Finnland zum Schluss war nur noch Makulatur, die Goldmedaille dem Team nicht mehr zu nehmen.
Sergey Yashin startete seine Eishockey-Karriere bei Diselist Pensa in der zweiten russischen Liga. Ab 1979 spielte er für Dynamo Moskau, 1990 wurde er mit dem Club russischer Meister. Ab 1994 spielte er für den EC Wilhelmshaven in der zweiten Liga, 2000 begann er dort seine Trainerlaufbahn. Nach Stationen bei den Revierlöwen Oberhausen, Rostock Piranhas, Groningen Grizzlies und Weserstars Bremen arbeitet er seit 2016 beim ECW Sande.
Zweimal Weltmeister
Allein der Olympiasieg habe sein Leben nicht maßgeblich verändert, schließlich sei er auch zweimal Weltmeister (1986, 1989) geworden – und russischer Meister mit Dynamo Moskau. Die Bedeutung des Olympiasiegs aber war die größte: „Das ist nur alle vier Jahre. Das bedeutet viel.“
Spiel viel schneller
Eishockey ließ Yashin im Anschluss und auch nach seiner mehr als 20-jährigen aktiven Karriere nicht los. In den vergangenen 20 Jahren trainierte er Clubs in Deutschland und den Niederlanden, nach fünf Jahren beim EC Wilhelmshaven Anfang des Jahrtausends führte sein Weg 2016 wieder zu den – nun als ECW Sande neuformierten – „Jadehaien“. Das Spiel habe sich seit seiner aktiven Zeit deutlich verändert, sagt der Trainer: „Es ist schneller geworden. Die Spieler müssen viel schnellere Entscheidungen treffen.“
Zeit für andere Spieler
Natürlich verfolgt Yashin auch die Spiele in Peking. Den Start des Männerturniers am Mittwoch konnte er kaum abwarten. „So lange habe ich das Frauen-Turnier geguckt. Und Eiskunstlauf“, berichtet der Eishockey-Fan. Dass die Spieler aus der nordamerikanischen Profiliga NHL fehlen, findet er schade. Aber er sieht das auch ganz pragmatisch als Chance für andere Athleten: „Ich glaube, jede Mannschaft hat gute Spieler. Jetzt ist eben die Zeit für andere Spieler.“
Corona-Problem
Das Turnier könnte, da die Favoriten USA und Kanada geschwächt sind, spannender sein, meint er – auch wenn die beiden Teams auch ohne NHL-Spieler immer gut seien. „Bei der deutschen Mannschaft sind gute Leute dabei“, sagt er – auch mit Blick auf die Silbermedaille der deutschen Auswahl von Pyeongchang 2018. Auch die Finnen und Schweizer seien nicht schlecht. Aber: „Mein Herz ist natürlich bei der russischen Mannschaft“, erzählt der frühere Auswahlspieler. Das Team des Russischen Olympischen Komitees siegte zum Auftakt 1:0 gegen die Schweiz. Covid-19 könnte indes zum Problem werden. Yashin hofft, dass die Teams von Coronafällen verschont bleiben. Abseits all der negativen Aspekte geht es nämlich ihm ums Wesentliche: „Ich will schönes Eishockey sehen.“
