Sandkrug - Bis zur Verkündung der Publikumswertung hatte er tapfer in seinem Kostüm abgewartet. Monsieur Momo trug nur eine dreiviertel lange Hose, die die strammen Waden nicht verdeckte. Das muss im Laufe des Abends ganz schön kalt geworden sein. Doch der junge, sympathische Clown blieb von 19 bis 23 Uhr in seiner Rolle. Als Johannes Cernota, Veranstalter der 1. Osenfestspiele in Sandkrug, kurz vor 23 Uhr auf die Bühne trat und den Bronzenen, Silbernen und Goldenen Osen vergab, war Momo immer noch zu Späßen aufgelegt.
Sollte Momo geahnt haben, dass ausgerechnet er, der als erster der drei Kleinkünstler den undankbaren Startplatz Nr. 1 gehabt hatte, am Ende gewinnen würde? Das Ergebnis war denkbar knapp. Jeder der 100 Zuschauer hatte nur eine Stimme zu vergeben. An der richtigen Stelle das Kreuz zu machen, fiel wohl schwerer als am kommenden Sonntag und das Ergebnis mit Sicherheit enger aus.
Auf Platz drei landete der Gitarrist mit Humor, Helmut Sanftenschneider. Der Musiker und Entertainer aus Herne lieferte fantastische Tonfolgen auf seiner Konzertgitarre ab und zwischendurch herrliche Blödeleien. War es am Ende vielleicht sein etwas forscher Witz über Hatten, der ihn ein paar Sympathiepunkte kostete? „Ich bin im Dunkeln hierher gekommen und fahre im Dunkeln wieder. Doch was ich gesehen habe, das hat mir gefallen. Vor allem der Bahnübergang in Sandkrug, an dem man 10 Minuten stehen muss“, verriet Sanftenschneider zum Einstieg.
Mit 31 Stimmen exakt eine Stimme mehr holte Zauberer Tim Jantzen aus Osterholz-Scharmbeck. Vor allem seine Kunststücke mit drei Zauberseilen – oder war es am Ende doch nur eines ? – verblüfften die Zuschauer. Ein kleiner Fanclub hatte ihn begleitet und sicherte ihm so den Silbernen Osen.
Monsieur Momo, der Clown, entpuppte sich auf der Bühne als großer Poet. Als einziger verzichtete er ganz auf Sprüche, ließ einfach nur seinen charmanten Witz und die Situationskomik im Festzelt wirken. „Magic“, dieses eine Wort reichte ihm im Dialog. Magisch waren seine Nummern in der Tat. Ein verdienter Sieger, das sahen 35 Voter jedenfalls genauso.
2015 hat Momo den Kleinkunstpreis der unwesentlich größeren Stadt Bochum gewonnen. Wo findet da der Goldene Osen aus Hatten den richtigen Platz? „Direkt daneben“, verriet der Clown nachdem die Scheinwerfer aus und die meisten Zuschauer auf dem Nachhauseweg waren. Von seiner Freundin, die ihn begleitet hatte, gab’s ein Küsschen – sicher auch eine schöne Belohnung.
Veranstalter und Initiator Johannes Cernota war am Ende des ersten der drei Festspieltage sichtlich erleichtert und froh, dass Technik und auch Wetter mitgespielt hatten. Auch wenn die Zahl der Zuschauer am Freitag hinter den Erwartungen zurückgeblieben war, war der Abend dennoch ein Erfolg. Die Stimmung im Festzelt war exzellent, das Drumherum mit Essen und Getränken stimmte auch – ganz klar eine Bereicherung des Hatter Kulturkalenders.
