Sandkrug/Streekermoor - Wer das Kegeln erfunden hat, darüber streiten sich die Gelehrten. Vorläufer (3500 v. Chr.) des Spiels fanden Archäologen schon in Ägypten. Als Urform des heutigen Kegelns werden von manchen die Zielwurfspiele germanischer Stämme in Mitteleuropa vermutet, bei denen mit Steinen auf Knochen geworfen wurde.

Fest steht, dass es in Deutschland lange Zeit eine große Popularität genoss. Davon zeugen nicht zuletzt die Jubiläen, die viele Kegelclubs feiern. Bis in die 1990er-Jahre war Kegeln in Ost- und Westdeutschland nicht nur ein Freizeitvergnügen, sondern Leistungssport.

Für den Freitagstreff aus Sandkrug, in dem regelmäßig Asylsuchende und Deutsche im Albert-Schweitzer-Haus zusammenkommen, war der Besuch der Kegelbahn im Hotel Meiners in Hatterwüsting deshalb etwas Besonderes. Die Frauen der Gruppe waren dabei ganz bewusst unter sich: Nicht etwa aus religiösen Gründen, sondern – das Phänomen kennt wohl jeder – weil sich Männer bei körperbetonten Wettkämpfen gerne in den Vordergrund spielen. So kam bei allem Ehrgeiz, die neun Kegel möglichst häufig von der Bahn zu wischen, der kommunikative Teil des Ausflugs nicht zu kurz.

Eine Ausnahme wurde dann doch gemacht. Dem NWZ-Redakteur Werner Fademrecht schilderten die Frauen ihr Leben in der neuen Heimat – in erstaunlich gutem Deutsch. Nesrin Abdo kommt aus Syrien. Sie lebt seit drei Jahren in Deutschland und macht zurzeit ihren Führerschein. „Die theoretische Prüfung habe ich bereits bestanden“, verrät sie. Die Praxis bereite ihr noch Schwierigkeiten, sagt sie. „So viele Schilder“, wundert sie sich. Einmal in der Woche arbeitet sie im Café auf dem Gut Sannum in Huntlosen, auch um weiter an ihrem Deutsch zu arbeiten. In Syrien war sie Arzthelferin, doch ihr Abschluss wird in Deutschland nicht anerkannt. „Ich könnte mir vorstellen, Erzieherin zu werden“, sagt sie.

Ayda Omar zeigt stolz das Foto ihrer neuen Urkunden. Sie ist nicht nur weit in den Deutschprüfungen gekommen, sondern hat auch den Test „Leben in Deutschland“ mit 32 von 33 Punkten bestanden. Die Mutter von sieben Kindern arbeitet als Küchenhilfe in einem Kindergarten. Sie gibt zu, dass sie sich um die Zukunft ihrer Kinder sorgt. Den Spagat zu schaffen, dass gerade die Jüngsten auch ihre ursprüngliche kurdische Kultur nicht völlig vergessen und sich gleichzeitig in der neuen Welt integrieren, sei nicht einfach. „Es kostet viel Kraft“, räumt sie ein.

Unter den Zuhörerinnen ist auch Vanessa Wolf. Sie engagiert sich im Auftrag der Diakonie in der sogenannten Migrationssozialarbeit und unterstützt den Sandkruger Freitagstreff. Der kann dank seiner ehrenamtlichen Helfer den Asylsuchenden immer wieder neue Eindrücke von ihrer neuen Heimat vermitteln. Sei es auf einer Kohltour, im Schwimmbad, dem Park der Gärten – oder halt auf der Kegelbahn. Am Ende, das ist zu spüren, lernen beide Seiten voneinander.

Werner Fademrecht
Werner Fademrecht Redaktion Hatten