Hamburg - Die Europameister-Liga spielt auf dem internationalen Handball-Parkett nur noch um die kleine Trophäe. Nach dem Viertelfinal-Aus des deutschen Rekordmeisters THW Kiel ist erstmals in der Geschichte des seit 2010 in Köln ausgetragenen Finalturniers der Champions League kein Bundesligist dabei.
Die deutschen Hoffnungen liegen nun im EHF-Pokal, wo die Füchse Berlin und der SC Magdeburg gemeinsam mit dem bereits qualifizierten Ausrichter Frisch Auf Göppingen im Final Four stehen. Im Viertelfinale scheiterte nur die MT Melsungen, womit das erste komplett deutsche Halbfinale in diesem Wettbewerb ausblieb.
Dem Rekordmeister aus Kiel, der zuvor fünfmal in Serie im Endturnier gestanden hatte, reichte am Samstag beim FC Barcelona das 28:26 aus dem Hinspiel nicht. Vor 7083 Zuschauern im Palau Blaugrana unterlagen die Zebras 18:23 (9:13). Der Grund für das Aus war schnell gefunden: Barça-Keeper Gonzalo Perez de Vargas zeigte herausragende 23 Paraden.
Auch THW-Coach Alfred Gislason sah eine schlechte Angriffsleistung seines Teams: „Wir haben eine gute Abwehr gespielt und super gekämpft, aber wir haben zu viel verworfen und zu viele technische Fehler gemacht“, sagte der Isländer. „Gegen eine der besten Mannschaften der Welt brauchst du einen Sahnetag. Leider hatten wir niemanden mit der Weltklasse-Leistung, die es hier braucht.“
Trost spendete Filip Jicha, der vor zwei Jahren von der Förde nach Katalonien gewechselt war: „Es tut mir im Herzen leid“, sagte der Tscheche: „Ich hätte am liebsten im Finale mit Barcelona gegen Kiel gespielt.“
Kiels Geschäftsführer Thorsten Storm sieht den Verein für die Zukunft dennoch gut aufgestellt: „Wir haben mit dem Pokalsieg einen Titel geholt, und auch dieses Spiel wird unseren jungen Spielern weiterhelfen.“ Zunächst gilt es für den THW jedoch, sich erneut für die Champions League zu qualifizieren. Im Bundesliga-Duell gegen Konkurrent Füchse Berlin am 14. Mai in Kiel könnte eine Entscheidung im Kampf um Platz drei fallen.
Die Füchse zogen am Samstag souverän in die Endrunde des EHF-Pokals am 20. und 21. Mai in Göppingen ein. Dem 30:25 im Viertelfinal-Hinspiel über die Ungarn von Grundfos Tatabanya ließ der Cupgewinner von 2015 und aktuelle Vereinsweltmeister vor heimischem Publikum ein 28:22 (14:13) folgen. „Ich habe ein neues Ziel verkündet“, sagte Trainer Velimir Petkovic nach dem Spiel. „Wir wollen den Europapokal gewinnen.“
Das will außer Titelverteidiger Frisch Auf Göppingen, der als Ausrichter des Finalturniers das Viertelfinale überspringen durfte, auch der SC Magdeburg. Die Bördestädter gewannen nach dem 34:27 in Spanien auch das Rückspiel gegen Helvetia Anaitasuna. Allerdings lag der SCM beim 35:32-Erfolg zur Pause noch mit 15:18 zurück: „Wir haben uns schwergetan“, sagte Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt. „Das Spiel hat gezeigt, dass in Europa nichts einfach ist.“
Die MT Melsungen verlor gegen Saint-Raphaël Var dagegen beide Viertelfinal-Partien. Nach dem 26:30 in Frankreich gab es in Kassel ein 23:31 (15:15)-Debakel. Damit verpassten die Nordhessen wie schon vor zwei Jahren den Sprung ins Halbfinale. MT-Coach Michael Roth sagte: „Wir haben nicht ins Spiel gefunden. Der Sieg von Saint-Raphaël war absolut verdient.“ Die Auslosung der Halbfinals findet am Dienstag im Göppinger Rathaus statt.
